Der Mensch ist als Abbild Gottes zur Mission berufen, die im alltäglichen Zeugnis und in der konkreten Fürsorge für Mitmenschen besteht, um so die göttliche Würde in der Welt sichtbar zu machen.
Die Predigt nimmt das Evangelium von der Steuerfrage Jesu zum Anlass, um die Gottebenbildlichkeit des Menschen zu thematisieren. Der Mensch trägt das Bild Gottes in sich, was ihm eine absolute Würde und die Verantwortung für die Schöpfung verleiht. Im Kontext des Weltmissionssonngags wird gefragt, wem der Mensch wirklich gehört und ob er von anderen 'Bildern' wie Erfolg, Besitz oder Angst geprägt ist. Die Predigt betont, dass Mission nicht nur Aufgabe professioneller Missionare ist, sondern Berufung jedes Getauften, die im Alltag durch kleine Gesten der Liebe und des Trostes gelebt wird. Es wird auf den neuen Seligen Fulton Sheen verwiesen, der den Glauben über Medien verbreitete, und dazu ermutigt, Christus im persönlichen Umfeld sichtbar zu machen. Die Kollekte wird als freiwillige Gabe zur Unterstützung der Weltkirche und der Armen Ortskirchen dargestellt. Der Text ruft dazu auf, Gott durch das eigene Leben zu bezeugen und so anderen Menschen zu dienen.
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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Wessen Bild und Gleichnis?
Predigt beim Gottesdienst anlässlich „100 Jahre Weltmissionssonntag“ 18. Oktober 2026, Mariendom Linz
Heute ist Weltmissions -Sonntag. Seit 100 Jahren wird in allen katholischen Kirchen für die Weltkirche gebetet und werden für die armen Ortskirchen Spenden gesammelt. Im heutigen Evangelium geht es zunächst um Geld, um Steuern und um eine politische Falle, die Jesus gestellt wird. Die Pharisäer und die Anhänger des Herodes wollen ihn in die Enge treiben. Sie fragen deshalb: „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen oder nicht?“ Jesus lässt sich nicht auf das Spiel ein, indem er die Frage mit Ja oder Nein beantwortet. Vielmehr verweist er auf eine andere Ebene: Er lässt sich eine Münze zeigen und fragt: „Wessen Bild und Aufschrift ist das?“ Die Antwort lautet: D as Bild des Kaisers. Deshalb sagt Jesus: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört – und Gott, was Gott gehört.“ Und so stellt er auch die viel tiefere Frage: Was gehört eigentlich Gott? Die Münze trägt das Bild des Kaisers und gehört deshalb dem Kaiser. Der Mensch aber trägt das Bild Gottes. Was bedeutet aber diese Gottebenbildlichkeit des Menschen? Das Bild-Gottes-Sein des Menschen beinhaltet eine ganz hervorgehobene, ganz enge q uasi-verwandtschaftliche Beziehung zwischen Gott und Mensch. Sie bezeichnet die engste Nähe des Menschen zu Gott. Der Mensch ist das Wesen, das ständig „vor dem Angesicht Gottes“ lebt und wandelt. Der Mensch ist Gottes personales Gegenüber, ihm gilt direkt das Wort des Schöpfers, das ihn zur Ant -Wort (Verantwortung) und Ent -Sprechung ruft. So gehören Freiheit und Vernunft, aber auch das Gedächtnis zur Gottebenbildlichkeit des Menschen. Und der Schöpfungsauftrag, der ihm in Form eines Segenswortes übertragen wurde. Wo er die Welt zerstört und ausbeutet, schafft er nicht mehr unter den Bedingungen des göttlichen Segens. „Im Wort der göttlichen Offenbarung ist diese fundamentale Wahrheit zutiefst eingeprägt, dass der Mensch, als Abbild Gottes geschaffen, durch seine Arbeit am Werk des Schöpfers teilnimmt.“1 Wem gegenüber soll Gott vergegenwärtigt werden, wem soll die Weiterführung der Schöpfung dienen? Die Antwort ist klar: dem Mitmenschen, der mitmenschlichen Gemeinschaft. „Das nach Gottes Bild geschaffene Dasein... ist kein einsames Dasein. Es findet sich von seinem ersten Atemzug an in der Gemeinschaft der Menschen vor. … Der Mensch kann im Liebesvollzug das werden, was er nach Ursprung und Berufung ist: Abbild Gottes.“ Der menschlichen Person kommt eine absolute und unantastbare Würde zu, die in der Gottebenbildlichkeit eines jeden Menschen begründet ist. Das Recht auf Leben ist unteilbar und kommt allen Menschen vom Beginn des Lebens bis zum natürlichen Tod zu. Es kann und darf keinen abgestuften Lebensschutz geben, der die Schutzwürdigkeit der menschlichen Person an das Vorhandensein bestimmter körperlicher und geistig-seelischer Fähigkeiten und Merkmale bindet.
Wenn es heute am Weltmissionssonntag um das Geben geht, lautet die entscheidende Frage nicht: Wie viel gibst du? sondern: Wem gehörst du? Gehörst du Gott, dessen Bild in dich eingeprägt ist? Oder haben sich längst andere Bilder andere Prägungen, andere Zugehörigkeiten darübergelegt? Vielleicht Erfolg, Besitz, Anerkennung oder Angst, oder Nation, die KI? Woran dein Herz hängt, das ist dein Gott oder dein Götze!
1 Johannes Paul II., Laborem exercens 25.
Wer Christus sein Leben anvertraut, in dem wird das Bild Gottes immer deutlicher sichtbar.
Hier beginnt unsere Mission. Wir sind Missionarinnen und Missionare, indem wir mit unserem Leben auf Gott hinweisen. Aus der Gemeinschaft mit Christus erwächst die K raft, andere zu ihm zu führen. Wessen Bild wir in uns tragen, entscheidet darüber, was wir der Welt schenken können. Wir entscheiden, was wir ihnen schenken: Gott oder Besitz; Liebe oder Furcht, Wertschätzung oder Verachtung.
Heute stellt uns die Kirche dafür einen besonderen Zeugen vor Augen: den neuen Seligen Erzbischof Fulton Sheen. In den 1950er-Jahren brachte er den katholischen Glauben zur besten Sendezeit ins amerikanische Fernsehen. Seine Sendung Life Is Worth Living erklärte den Glauben so verständlich, dass ihm bis zu 30 Millionen Menschen zusahen. Doch das Entscheidende für ihn war: Er wollte jedem Menschen Christus zeigen. Er wollte über sich hinaus auf Christus zeigen, ihn bekannt machen und den Menschen das Evangelium auf neuen Wegen nahebringen. Vermutlich werden die meisten von uns niemals Millionen Menschen erreichen.
Aber jeder von uns begegnet Menschen, die niemand sonst erreichen kann: in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis. Es liegt an uns, ob die Begegnungen zum Segen für unsere Mitmenschen werden. Wessen Bild wird also durch unser Leben sichtbar?
Vielleicht beginnt Mission heute mit einem offenen Ohr, einem Wort des Trostes, einer Versöhnung oder einer liebevollen Antwort auf eine längst vergessene Nachricht? Oft sind es gerade diese kleinen Gesten, durch die Gott Herzen berührt. Der Weltmissions-Sonntag erinnert uns daran: Mission ist die Berufung jedes Getauften. Jeder Christ, jede Christin ist eine Mission, so schreibt Papst Franziskus in Evangelii Gaudium: „Die Mission im Herzen des Volkes ist nicht ein Teil meines Lebens oder ein Schmuck, den ich auch wegnehmen kann; sie ist kein Anhang oder ein zusätzlicher Belang des Lebens. Sie ist etwas, das ich nicht aus meinem Sein ausreißen kann, außer ich will mich zerstören. Ich bin eine Mission auf dieser Erde, und ihretwegen bin ich auf dieser Welt. Man muss erkennen, dass man selber „gebrandmarkt” ist für diese Mission, Licht zu bringen, zu segnen, zu beleben, aufzurichten, zu heilen, zu befreien.
(EG 273) Am Weltmissionssonntag denken wir auch an die Mitchristinnen und Mitchristen im Globalen Süden und an die Missionarinnen und Missionare, die das Evangelium dort verkünden. Wer Gott gehört, schenkt ihm nicht nur Worte, sondern auch seine Zeit, seine Begabungen und seinen Besitz. Missionarinnen und Missionare leben in fernen Regionen der Welt unter oft schwierigen Bedingungen. Sie verkünden Christus, taufen Kinder, feiern die Sakramente, bauen Schulen und Krankenstationen auf, begleiten Familien, trösten Kranke und schenken Hoffnung. Sie sind für viele Menschen das erste und oft einzige sichtbare Gesicht der Kirche.
Unsere Gabe am Weltmissionssonntag hilft mit, dass Kinder Bildung erhalten, Gemeinden entstehen, Menschen seelsorglich begleitet und Priester ausgebildet werden, das Evangelium verkündet wird. – Die Missionarinnen und Missionare brauchen unser Gebet und unsere konkrete Unterstützung. Unsere heutige Kollekte ist deshalb keine Steuer und keine Pflichtabgabe. Denn mit ihr sagen wir: Ich möchte, dass das Evangelium auch dort verkündet wird, wo ich selbst niemals hingehen kann.
+ Manfred Scheuer Bischof von Linz