Festivalseelsorge ist eine wirksame Form der Pastoral, die durch eine offene, feiernde und nicht suchende Haltung existenzielle Bedürfnisse in der modernen Freizeitkultur adressiert.
Der Text stellt das Arbeitsfeld der Festivalseelsorge vor, das seit etwa 2009 existiert und sich an die Bedürfnisse von Festivalbesuchern richtet. Julia Hahn, Theologin und Doktorandin, beschreibt ihre Erfahrungen als Seelsorgerin auf Festivals wie dem Wacken Open Air oder dem Fusion Festival. Die Seelsorge ist als offenes Zelt auf dem Festivalgelände präsent, in dem keine Waren verkauft werden, sondern Gespräche angeboten werden. Die Haltung der Seelsorger ist einladend und feiernd, ohne Probleme künstlich zu suchen. Besucher kommen mit Themen von rein praktischen Fragen bis hin zu existenziellen Krisen, die durch die Festivalatmosphäre, Musik und Substanzkonsum hervorgerufen werden. Der Text betont die Verbindung von Spiritualität und Alltagsfreude sowie die Rolle der Gemeinschaft als Ort der Begegnung. Es wird deutlich, dass Festivalseelsorge eine Form der aufsuchenden Pastoral ist, die sich in die moderne Freizeitkultur einfügt.
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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Da kommen dann manchmal auch gerade auf dem Festival durch die Musik, durch irgendwie Tanzen oder irgendwie die anderen Lebensumstände auf dem Festival, die Gemeinschaft, aber vielleicht auch Alkohol- und Drogenkonsum, dann doch auch mal so ein paar Sachen wieder auf, von denen man vielleicht dachte, dass sie ganz tief vergraben sind. Häufig ist auch so, dass Leute am Festivalseelsorge zählt vorbeilaufen und dann so was sagen wie ich brauche keine Seelsorge, aber richtig gut, dass ihr da seid. Wir versuchen eine Haltung einzunehmen, nicht die Probleme der Menschen zu suchen und so nach dem Motto, okay, wenn du kein Problem hast, dann finden wir schon eins, sondern eher auch mit den Leuten zu feiern oder zu feiern, dass sie da sind und dass sie Freude haben. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Kannste Glauben, dem Podcast des Bistums Münster. Ich bin Angristin Lardermann, schön, dass ihr dabei seid. Ja, der Sommer beginnt und das heißt auch, dass die Festival-Saison anläuft. Und das bedeutet wiederum, dass tausende Menschen zu Open-Ears-Pilgern vor Bühnen tanzen, auf Wiesenkämpfen und oft mehrere Tage lang in einer ganz eigenen Welt feiern. Und genau dort zwischen Zelten, Musik und Menschenmassen, da sind manchmal auch Seelsorgerinnen und Seelsorger unterwegs. Festivalseelsorge heißt dieses Jahr noch recht junge Arbeitsfeld. Aber was genau passiert da eigentlich? Kommen Menschen wirklich zu einem Seelsorgezelt, wenn sie eigentlich feiern wollen? Und welche Fragen bringen sie dann mit? Und hat das alles vielleicht sogar etwas mit Spiritualität zu tun? Darüber spreche ich jetzt mit Julia Hahn. Julia lebt inzwischen in Berlin, hat aber lange in Münster gewohnt. Sie hat dort Theologie studiert und war auch sehr aktiv in der katholischen Studierenden und Hochschulgemeinde, kurz KSHG. Im Moment promoviert sie auch an der Uni Münster, und zwar zum Thema Festivalseelsorge. Julia kennt übrigens Festivals nicht nur aus der Forschung, sondern auch aus der Praxis. Und davon und natürlich von ihren Erfahrungen als Festivalseelsorgerin erzählt sie jetzt. Hallo Julia, herzlich willkommen jeweil Kanste-Glauben. Schön, dass du da bist. Hallo Ankristin, ich freue mich sehr. Julia, ich glaube, es haben ganz, ganz viele Menschen noch nie etwas von Festivalsseelsorge gehört. Du schreibst sogar deine Doktorarbeit darüber. Wie bist du auf dieses Thema gekommen? Da stellst du direkt eine interessante Frage, weil ich tatsächlich selber auch lange nicht davon wusste, dass es Festivalsseelsorge gibt. Obwohl ich tatsächlich seit zehn Jahren selber Festivalsgängerin bin und wirklich leidenschaftlich auf Festivals gehe. Man fragt sich irgendwann, was mache ich eigentlich nach dem Studium? Ich habe ja in Münster auch katholische Theologie studiert, meine Magisterarbeit dann geschrieben und mich gefragt, wie geht es weiter? Wäre ich Lehrerin, Firmatou und Rely oder Personalreferentin? Wenn bist du Münster? Und irgendwie haben dann aber noch die dritte Option der Doktorarbeit oder der Promotion des Promotionsstudiums dazu. Und bin eher durch Zufall über ein Artikel auf feinschwatz.de, also dieses theologische Föhe-Ton im Internet. Darauf gestoßen, dass es Festivalsseelsorge gibt über einen Kollegen aus der Schweiz, der dort im Verein Festivalsseelsorge tätig ist. Und irgendwie hat sich dann alles so ein bisschen gefügt, dass ich dachte, okay, vielleicht könnte das jetzt so mein Weg sein, irgendwie zu promovieren über dieses spannende Thema Festivalsseelsorge, wo ich selber noch nie von gehört habe, aber eben selber total gerne auf Festivals gehe und auch Seelsorge gerne mag oder da auch durch die KSAG zum Beispiel irgendwie viel Kontaktfläche hatte, so seelsorglichen Kontext und selber am Lehrstil für Passualltheologie gearbeitet habe und genau, ich könnte jetzt auch ganz viel mehr dazu erzählen, aber so erstmal vielleicht. Wenn du selbst Festivalgängerin bist, hast du so Lieblingsfestivals, auch die du regelmäßig besuchst, also wo du immer hingehst? Also ich bin mehrfach aufs Deichbrandfestival gegangen, das mochte ich immer sehr gerne. Ich bin jetzt seit ein paar Jahren in Berlin und da ist das Fusion Festival in der Nähe, also in Mecklenburg-Vorpommern und das mag ich auch total gerne. Das sind jetzt zwei eher sehr große Festivals. Gleichzeitig finde ich es auch immer total charmant, einfach so kleine, familiäre, selbst organisierte Festivals zu besuchen. Ich würde mich zum Beispiel, das nennt sich Gravity Festival, ein Festival für Leute, die Gravelbike fahren. Besucht hier in Brandenburg gibt es schon auch echt richtig schöne Landschaften zum Fahrrad fahren und da haben sich Leute zusammen getan und so eine Art Festival organisiert und natürlich irgendwie mit Fahrrad fahren und der Natur, aber auch Musik und Tanz. Cool, superkommen hier, finde ich, wenn man die Interessen so vereint. Ja, wenn du gerade erzählt hast, also Theologie studiert und auch selbst Musikfestivalgängerin, dann hört sich das auch als würden da wirklich zwei Leidenschaften zusammen kommen, das passt richtig gut bei dir. Wenn ich so an Seelsorge denke, dann denke ich auch schnell an, man nennt es ja kategoriale Seelsorge, also ich denke auch an Krankenhausseelsorge, Gefängnisseelsorge oder Gemeindeseelsorge, da habe ich dann auch so eine gewisse Vorstellung von, aber wie muss ich mir Seelsorge auf einem Festival vorstellen? Also auch mal ganz praktisch, gibt es eine extra Fläche dafür, gibt es ein Zelt oder wie kann man sich das vorstellen? Gibt es das auch auf jedem Festival oder nur auf den Großen? Also man kann sich das tatsächlich so vorstellen, dass es tatsächlich auch ein Zelt gibt für die Festivalseelsorge, wie du gerade schon meintest. Vielleicht gibt es ja unter den Hörerinnen auch Leute, die regelmäßig Kirchentage oder Katholikentage besuchen, da gibt es ja auch dann diese vielen Pargoden und so weiter. So ist das bei einem Festival meistens auch, dass man im Innt-Field also auf dem Gelände, wo dann die Bühnen sind, auch viele solcher Zelte hat, wo man natürlich Essen, Trinken kaufen kann, aber auch Kleidung oder teilweise sich auch tätowieren lassen kann oder piercing lassen kann und ein solches Zelt hat die Festivalseelsorge dann auch, die steht also in mitten dieser ganzen Zelte. Der Unterschied ist dann natürlich, wenn man zum Zelt der Festivalseelsorge kommt, dass man da nichts kaufen kann. Also das ist quasi schon mal das erste, was dann auffällt und ansonsten ist es meistens so organisiert, dass es verschiedene Schichten gibt über den Tag verteilt mit irgendwie vier bis acht Seelsorgenden, je nachdem wie groß das Festival auch ist, die dann ansprechbar sind. Genau, so fügt sich das irgendwie in dieses Festival ein und du hattest noch gefragt, ob es das auf jedem Festival gibt, ne? Genau. Das tatsächlich nicht. Die Festivalseelsorge gibt es erst seit ungefähr 2009 oder da sind zumindest so die Anfänger. Da haben nämlich sich so ein paar Seelsorgende aus der Nordkirche, also evangelische Kirche überlegt, sie wollen mal zum Wacken gehen, zum Wacken Open Air, also so das mit größte Metal Festival, das ist meistens ja in der Tagesschau irgendwie bekannt geworden durch große Schlammschlachten. Genau, und die sind da einfach 2009 mal hin und haben geschaut, was so passiert, wenn sie da als erkennbar auch als Seelsorgerin vor Ort sind und haben bemerkt, oh, da gibt es irgendwie Nachfrage oder es gibt den Bedarf, Gesprächsbedarf. Du bist selbst ja auch im Team der Festivalseelsorgerin, oder? Genau, ich habe aufgrund meines meiner Promotionen, weil ich eben über das Thema Forschung, natürlich Feldforschung auch gemacht in den letzten drei Jahren, das heißt, ich habe dann die Sommer auf Festivals verbracht, das klingt immer ganz witzig. Vor allem wenn man natürlich selber gerne auch auf Festivals geht, dann ist das sehr schön, wenn man sozusagen das Nützliche oder das Notwendige und Dienstliche oder die Forschende Tätigkeit auch mit dem Schönen und den eigenen Leinschaften verbinden kann. Und trotzdem ist es natürlich auch sehr anstrengend. Genau, aber da habe ich dann mehrere Teams sozusagen auch besucht und durfte da dann Teil von sein und habe Schichten auch selber übernommen. Ja, nochmal eine Frage, wie ich mir das praktisch so vorstellen kann. Wartet ihr darauf im Zelt, dass Leute zu euch kommen oder macht ihr auch, ich sage mal, aufsuchende Seelsorgel, mischt ihr euch dann drunter und habt aber schon immer diesen Gedanken. Wir sind jetzt gerade als Seelsorger innen da im Kopf oder wie funktioniert das? Wie kommt man dann ins Gespräch? Das ist interessant, dass du auch das Stichwort der aufsuchenden Seelsorge oder Pastoral mit rein dringst, weil ich sagen würde, dass das eigentlich schon an sich, dass überhaupt Seelsorger auf solchen Festivals vor Ort ist, irgendwie eine Form von aufsuchender Pastoral ist. Und gleichzeitig ist es dann ganz konkret eher weniger aufsuchend. Also es geht weniger darum, dass wir dann auf dem Festival Leute explizit ansprechen, sondern dass es eher eine Präsenz ist oder eine präsente Haltung. Wir schauen da jetzt auch nicht weg und ducken uns weg und hoffen, dass niemand uns anspricht, sondern es ist eher eine offene einladende Haltung an dem Zelt. Oder man kann auch mal mit Leuten oder Leute so ansprechen oder ihnen einen schönen Tag wünschen oder viel Spaß beim nächsten Konzert und dann ergeben sich vielleicht Gespräche, aber vielleicht auch nicht. Und häufig ist es eigentlich so, dass Leute am Zelt vorbeigehen und dann schauen und lesen Festival Seelsorge. Hä? Was ist das denn? Und so kommt man dann vielleicht das erste Mal ins Gespräch darüber. OK, was macht ihr hier? Was kann man hier kaufen oder wozu seid ihr da? Und entweder war es das dann sozusagen mit dem Gespräch oder es entwickelt sich dann noch ein anderes Gesprächs themat raus. Eine zweite Sache ist, dass es je nach Bessourcen auch oder je nach Bedarf auch manchmal möglich ist, dass man mit mobilen Teams, so zweit oder mit mehr Leuten noch über das Gelände und auch das Campinggelände geht und eben Westen an hat. Also man ist auch wirklich durch die Kleidung erkennbar, dass man Seelsorger Seelsorgerin ist und da entwickeln sich auch nochmal Gespräche. Wenn Leute euch jetzt aufsuchen oder ihr auch mit denen ins Gespräch kommt, kannst du mal so einen groben Abriss geben darüber, was mit welchen Themen die Menschen zu euch kommen? Also um was geht es dann oft in den Gesprächen der Festival SeelsorgerInnen? Ja, das ist total spannend, weil es wirklich alles gibt. Also ich versuche das immer so ein bisschen zu unterteilen in so zwei größere Kategorien einmal das, was auf dem Festival selber passiert. Also da kann ja auch irgendwie sehr viel passieren von wo ist die nächste Sanitäranlage oder wann spielt die Band so und so oder wo ist Bühne XY oder ich finde mein Zelt nicht mehr und ich weiß nicht wo meine Freundinnen sind. Ich habe mein Handy verloren. All solche Sachen, bisschen natürlich auch zu Konflikten mit den Leuten, mit denen man da ist zum Beispiel oder mit Partnerinnen, mit denen man da ist. All das, was irgendwie vor Ort passieren kann. Und dann natürlich auch die Dinge, die einen im Leben sowieso schon beschäftigen. Und der Festival Alltag ist quasi ein ganz anderer Alltag als den, den man sonst so hat im Arbeitskontext und so weiter. Aber man kann ja auch nicht alles zu Hause lassen. Und da kommen dann manchmal auch gerade auf den Festival durch die Musik, durch irgendwie Tanzen oder irgendwie die anderen Lebensumstände auf dem Festival, die Gemeinschaft, aber vielleicht auch Alkohol und Drogenkonsum, dann doch auch mal also ein paar Sachen wieder auf, von denen man vielleicht dachte, dass sie ganz tiefer graben sind und das sind dann auch irgendwie Existenz und Sinnfragen oder Thema Tod und Trauer oder auch da Beziehungsprobleme, sei es jetzt mit Partnerinnen oder Freundinnen, psychische Probleme. Also das ist wirklich die komplette Range. Gibt es noch weitere Themen, die ich sage mal regelmäßig vorkommen? Das kommt natürlich auch immer ein bisschen auf die Zielgruppe der Festivals an. Also da denke ich jetzt gerade an ein Festival, wo auch elektronische Musik gespielt wird, wo tatsächlich eher sehr junge Menschen die Zielgruppe sind oder sich zumindest angesprochen fühlen. Und da erlebe ich häufig, dass gerade Menschen, die mit der Schule fertig geworden sind und ihren Abschluss gemacht haben, den Sommer nutzen, um eben genau solche Sachen zu machen, wie auf Festivals zu gehen und einfach das Leben zu genießen und zu feiern, die dann aber schon auch die großen Fragen des Lebens im Kopf haben und dann die dann aufploppen und die dann in solchen Gesprächen auch aufkommen können. Also die Frage danach, was mache ich dann jetzt eigentlich mit meinem Leben? Ich bin jetzt mit der Schule fertig und wo geht es jetzt eigentlich nach den Sommerferien weiter? Ist ein Ausbildungsberuf vielleicht was für mich ein Studium? Wo will ich hinziehen? Wie sieht das dann auch mit dem sozialen Netzwerk aus? Was ist so mein Lebensweg? Wo möchte ich hin? Das sind so die Fragen nach Orientierung vielleicht sogar auch, wenn man es jetzt kirchlich ausdrücken möchte, nach Berufung. Manche finden es ja vielleicht auch einfach gut, wenn sie mit einer neutralen Person sprechen können. Also nicht nur mit Menschen aus dem Familien- oder Freundeskreis, die ohnehin ja nah dran sind. Genau. Ja, und gleichzeitig ist es ja als Seesorgerin dann eben genau auch nicht meine Aufgabe da irgendwie eine Meinung zuzugeben, sondern wirklich, also wie du sagst, neutral zuzuhören oder genau so zu agieren, wie sich die Person, die mir gegenüber sitzt, sich das wünscht. Also das kann dann irgendwie hilfreich sein, einfach mal sich alles von der Seele zu reden und dann einfach wieder zu gehen oder wenn die Leute wollen nach einem Rat zu fragen oder Nachfragen zu stellen. Je nachdem. Also das finde ich total spannend, weil eigentlich fahren Menschen ja zum Feiern aus Festival. So wird man das erstmal denken und nicht unbedingt prioritär, um über ihr Leben zu sprechen. Aber trotzdem beschreibst du Festivals halt auch als Orte, an denen ja schon überraschend viele Gespräche auch über Sinn Fragen und so stattfinden. Warum gerade dort? Also was sind die Gründe dafür? Ich glaube und also da würde ich sozusagen so ein bisschen so aus einer eigenen Perspektive sprechen, dass ich das selber auch so erlebe oder erlebt habe, dass schon allein die Musik ganz viel erzeugen kann. Denn also im Zweifel fährt man vielleicht auf Festivals, weil da die Lieblingsband spielt und dann ist man irgendwie sehr berührt von diesem Auftritt oder vielleicht von einzelnen Songs oder den Song Texten und dann natürlich auch dieses Gemeinschaft, Gemeinschaftserlebnis mit mehreren Tausend Menschen da vor dieser Bühne zu stehen und ja dieselbe Leidenschaft in dem Moment zu haben. Und das ist irgendwie so ein sehr verbindener Moment, glaube ich, wo man sich irgendwie gut verbunden fühlen kann mit den Menschen, die umeinstehen, egal ob man sie kennt oder nicht oder mit der Musik. Für mich bedeutet das irgendwie auch ganz häufig in Zusammenhang mit Spiritalität oder vielleicht sogar auch eine Art von Transcendenterfahrung oder die Frage nach irgendwie Schöpfung und Kreativsein und nach Gott. Also das glaube ich, dass das durch Musik und dann irgendwie dieses Gemeinschaftserlebnis und Gefühl erzeugt werden kann. Und vielleicht noch eine andere Sache. Ich glaube schon auch, dass man bei Festivals manchmal so an seine eigenen Grenzen stößt. Also quasi wie so Kontingenzerfahrung auch machen kann, um mal so ein bisschen ein großes Wort zu nehmen dafür. Gerade wenn man überlegt, okay, die hygienischen Bedingungen sind manchmal schwierig. Man geht irgendwie mehrere Tage, vielleicht nicht duschen. Es ist total warm draußen und man schützt die ganze Zeit und ernährt sich irgendwie von Dosen Ravioli zum Beispiel und dann eben auch so vielen Menschen ausgesetzt zu sein auf so engem Raum. Und ich glaube auch da können Menschen irgendwie an ihre Grenzen kommen. Als du die Teams begleitet hast, quasi auch als Festivalsäelsägerin, gab es da so ein Gespräch oder eine Begegnung, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist, die dir noch so nachgegangen ist. Also ich habe tatsächlich sehr viele Gespräche erlebt, die mich sehr berührt haben. Und eine Begegnung ist mir aber sehr noch in Erinnerung geblieben. Das war auf einem Festival, wo elektronische Musik gespielt wurde. Und es war dementsprechend auch laut, der Bass vom hatte. Und also das ist zum Beispiel auch ja so ein Charakteristikum bei Festivalsäelsäge, dass man eine sehr tolle Lautstärke ausgesetzt ist. Und es kam ein junger Mann zu uns in Zelt und setzte sich irgendwie zu mir und hatte schon irgendwie so eine sehr ruhige Art und Ausstrahlung und hatte wirklich sehr das Bedürfnis, einfach zu erzählen in diesem ganzen Trubel, dass seine Partnerin sich vor einigen Wochen suizidiert hat und dass er sich jetzt natürlich auch gefragt hat, ob er überhaupt aufs Festival fahren kann und möchte und ob er da überhaupt gerade jetzt sein darf, auch ob er da Freude empfinden darf, obwohl er ja eigentlich auch gerade im Trauerprozess ist und dass er auch in einigen Wochen mit den Eltern dieser Freundin ihre Asche an einem besonderen Ort verstreuen wird und das hat mich wirklich sehr berührt, dass sich da dieser junge Mann so sehr geöffnet hat und eben ein Bedürfnis war, das einfach mal loszulassen oder zu erzählen in diesem verrückten Kontext eigentlich in dem Moment. Wahnsinn, also das genau geht ja auch an einem selbst nicht spurlos darüber, wenn jemand vor allem sitzt, der sowas erzählt. Genau. Und dann gab es auch noch eine andere Situation, das war jetzt bei einem anderen Festival, wo eine Frau zu mir kam, die deutlich älter war als ich auch und selber Mutter war und von ihrer Beziehung zu ihrem Sohn erzählt hat und dass das irgendwie sehr schwierig ist und dass sie auch eine schwierige Vergangenheit hat, selber in prekären Verhältnissen auch gelebt hat oder immer noch lebt und hat irgendwie so sehr aus dem Herzen erzählt und sehr auch von schmerzhaften Erinnerungen erzählt und war irgendwie dabei total selbst reflektiert und hat sich sehr machtlos gefühlt und hat das nochmal irgendwie so sehr gezeigt, wie viele vertrauenden Menschen auch der Festivalsäge grundsätzlich so gegenüber haben, sich auch so zu öffnen, auch was zu erzählen, was vielleicht in anderen gesellschaftlichen Kontexten sie nicht so erzählen würden, wenn es auch um sie selber und eigene Fehler, sag ich mal, geht. Ja, total. Also genau, das ist ein Vertrauensvorschuss, der einem da auch entgegen gebracht wird. Immer wieder gibt es natürlich auch bei Festivals extrem Situation. Vielleicht ein Beispiel, jetzt vor kurzem hat ja das Hurricane Festival stattgefunden, da gab es einen besonders tragischen Vorfall, weil eine Festivalbesucherin ganz plötzlich tatsächlich auch verstorben ist, was natürlich viele Menschen auch vor Ort im Umfeld erschüttert hat. Ja, solche Ereignisse zeigen natürlich auch, dass auf Festivals plötzlich sehr existenzielle Situationen entstehen können. Ist bei solchen Situationen auch da auch die Festivalsäge gefragt oder ist das vielleicht eher Notfallseelsorge kooperiert man dann miteinander? Ja, ist ein gutes Beispiel und da sagen eigentlich viele Leute auch so im Festivalkontext, naja, man muss sich vorstellen, bei einem Festival kommen irgendwie, zum Beispiel bei Wacken sind es glaube ich jährlich so um die 80, 85.000 Menschen. Das ist quasi, ja, ist eine Kleinstadt. Das heißt, da kann auch alles passieren. Da können Menschen auch natürlich ein Tod ist sozusagen sterben. Also es muss gar nicht mal welche schlimmen Außeneinflüsse geben, aber genau solche Sachen passieren und dann muss man natürlich damit umgehen. Je nachdem was passiert, wird dann natürlich auch geschaut, wer ist jetzt wirklich auch zuständig? Wenn zum Beispiel eine Naturkatastrophe passiert, ein Unwetter oder ähnliches, dann ist auf jeden Fall klar,