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Liberal · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

MATOT-MASSEJ

ohne Namen · Allgemeine Rabbinerkonferenz – Paraschat HaSchawua · 2026-09-10 · Berlin · Quelle

Gerechtigkeit · Hauptbotschaft Verantwortung · tragend Wahrhaftigkeit

Die torarechtliche Abhängigkeit weiblicher Gelübde vom Vater oder Ehemann widerspricht dem jüdischen Grundsatz der unmittelbaren Gottesbeziehung ohne Vermittler und muss überwunden werden.

Bei dieser klaren Festlegung, dass nur der Mann eine autonome, direkte Verbindung mit Gott aufnehmen kann, die Frau aber von seiner Zustimmung abhängig ist, ob sie vor dem Ewigen ein Gelübde ablegt, kann man zu dem Schluss kommen und zynisch sagen: Gott ist offenbar der Gott der Männer, und die Männer sind die Götter der Frauen.

Der Text erläutert den Wochenabschnitt Matot-Massej mit Schwerpunkt auf den torarechtlichen Bestimmungen zu Gelübden von Frauen. Er zeigt, dass Gelübde von Frauen, die im Haus des Vaters oder Ehemannes leben, von deren Bestätigung oder Auflösung abhängen. Der Autor stellt fest, dass eine Frau ein Gelübde nicht gegen den Willen ihres Ehemannes durchsetzen kann und zur Scheidung gezwungen wäre, um es zu halten. Er kritisiert, dass die Tora nur dem Mann eine autonome, direkte Verbindung mit Gott zuschreibt. Der Text fragt, ob es dem Judentum gelungen ist, die geschlechtsspezifische Kluft zu überwinden und Frauen einen unabhängigen Zugang zu Gott zu ermöglichen. Er fordert, dass Frauen nicht mehr hinter Trennwänden in der Synagoge sitzen sollen und selbstständig eine Verbindung zu Gott aufnehmen dürfen. Der Text verweist auf die jüdische Einsicht, dass zwischen jedem Einzelnen und Gott kein Vermittler stehen soll.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Ausbeutung, Unterdrückung, ungleiche Verhältnisse
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
gerechte gesellschaftliche oder politische Verhältnisse; Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Wohin geht die Geschichte?
es wird besser, Entwicklung zum Guten
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
den eigenen Glaubensgeschwistern
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

4. Buch Mose 30,1-2 · 1. Buch Mose 28,20-22 · 1. Samuel 1,11 · Mischle 20,25 · 5. Buch Mose 23,22-24 · Tehilim 50,14 · Kohelet 5,3-5 · 4. Buch Mose 30,14

Gemessen

Grundhaltung
-1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
3 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
MATOT-MASSEJ Patriarchale Gesellschaft In der Antike durfte der Vater oder Ehemann das Gelübde einer Frau auflösen Auslegung von Rabbiner Salomon Almekias-Siegl Der Wochenabschnitt Matot beginnt mit einem Appell Mosches: »Und er redete mit den Häuptern der Stämme Israels und sprach: Dies ist’s, was der Ewige geboten hat: Wenn jemand dem Ewigen ein Gelübde tut oder einen Eid schwört, sich von etwas zu enthalten, so soll er sein Wort nicht brechen, sondern alles tun, wie es über seine Lippen gegangen ist« (4. Buch Mose 30, 1–2). Die Tora beschreibt uns nicht genau, was ein Gelübde ist. Doch hören wir im Tanach immer wieder, dass jemand ein Versprechen ablegt. So zum Beispiel Jakow auf seinem Weg nach Charan: »Und Jakow tat ein Gelübde und sprach: Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Weg, auf dem ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anziehen und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der Ewige mein Gott sein. Und dieser Stein, den ich aufgerichtet habe zu einem Steinmal, soll ein Gotteshaus werden; und von allem, was Du mir gibst, will ich Dir den Zehnten geben« (1. Buch Mose 28, 20–22). Schermesser Und Channa, die Mutter des späteren Propheten Schmuel, gelobt: »Ewiger, Zebaot, wirst Du das Elend Deiner Magd ansehen und meiner gedenken und Deine Magd nicht vergessen und wirst Du Deiner Magd einen Sohn geben, so will ich ihn dem Ewigen geben sein Leben lang, und kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen« (1. Schmuel 1,11). Männer wie Frauen legen Gelübde ab mit dem Ziel, dass Gott ihnen einen Wunsch erfüllen möge. Für den Fall, dass Er sie erhört, geben sie das Versprechen, sich selbst oder etwas Wertvolles Ihm zu weihen. Unsere Weisen stellen dieses Thema als sehr komplex dar. Die Erfüllung eines Versprechens wird bei ihnen an eine gewissenhafte und schrittweise Ausführung seitens des Menschen gebunden – vielleicht auch deshalb, weil Gelübde in der Tora nicht gefordert werden, sie nicht auf eine Anordnung Gottes zurückgehen. Vor leichtfertigem Geloben wird ausdrücklich gewarnt (Mischle 20,25), weil Gott darauf besteht, dass einmal geleistete freiwillige Selbstverpflichtungen eingehalten werden (5. Buch Mose 23, 22–24; Tehilim 50,14 und Kohelet 5, 3–5). Im Abschnitt Matot werden Einzelfälle von Gelübden thematisiert. Was passiert, wenn ein Mensch Gott etwas versprochen hat, es dann aber nicht halten kann? MÄNNER Außerdem entdecken wir, dass der abgelegte Schwur einer Frau nicht dem eines Mannes entspricht. Wenn der Mann ein Gelübde ablegt, muss er es erfüllen, ebenso eine Geschiedene oder eine Witwe. Selbstverpflichtungen von Frauen hingegen, die nicht unabhängig leben, also noch bei ihrem Vater wohnen oder beim Ehemann, unterliegen bestimmten Einschränkungen. Sie sind immer von der Bestätigung des Vaters oder Ehemannes abhängig. Wenn ein Vater hört, dass seine unverheiratete Tochter ein Gelübde abgelegt hat, kann er es gegen ihren Willen auflösen. Das gleiche Recht steht einem Ehemann zu. »Jedes Gelübde und jeden Eid, durch den sie sich Enthaltung auferlegt hat, kann ihr Mann bekräftigen oder aufheben« (4. Buch Mose 30,14). Auch kann eine Frau nicht sicher sein, dass sie ihr im Elternhaus abgelegtes und vom Vater bestätigtes Gelübde auf Dauer erfüllen kann. Heiratet sie und zieht zu ihrem Mann, so kann er das Versprechen, wenn er davon erfährt, auflösen. Möchte eine Frau sichergehen, ihr Gelübde wirklich zu erfüllen, muss sie es für sich behalten. Vater wie Ehemann dürfen davon nichts erfahren, weil sie sonst zu befürchten hätte, dass die Männer von ihrem Einspruchsrecht Gebrauch machen. Gelübde Es ist offensichtlich: Eine Frau, die selbstständig mit Gott in Verbindung treten will, hat nach den Bestimmungen der Tora nur begrenzte Möglichkeiten dazu. Ein bereits abgelegtes Gelübde kann sie gegen den Widerstand ihres Ehemannes nicht durchsetzen. Um es durchzuhalten, wäre sie zur Scheidung gezwungen. Bei dieser klaren Festlegung, dass nur der Mann eine autonome, direkte Verbindung mit Gott aufnehmen kann, die Frau aber von seiner Zustimmung abhängig ist, ob sie vor dem Ewigen ein Gelübde ablegt, kann man zu dem Schluss kommen und zynisch sagen: Gott ist offenbar der Gott der Männer, und die Männer sind die Götter der Frauen. Ein kleiner Trost mag sein, dass dieser Text aus der Antike stammt. Er gibt die Wertvorstellungen einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft wieder, in der der Mann darauf achtet, die Kontrolle über seine Frau zu behalten. Kluft Entscheidend für uns heute ist die kritische Frage: Ist es uns in der langen Geschichte des Volkes Israel und des Judentums gelungen, die Kluft zwischen Frauen und Männern zu überwinden? Haben wir uns hinreichend bemüht, die Religion nicht nur Männersache sein zu lassen? Haben wir genügend Engagement gezeigt und Anstrengungen unternommen, dass Frauen ihren eigenen unabhängigen Zugang zu Gott finden können? Wie lange noch sollen sie in der Synagoge hinter einer Trennwand sitzend am Gottesdienst teilnehmen? Dieses Bild steht für Gottesdienstbesucher zweiter Klasse, abgeschirmt vom Geschehen. Hier besteht Veränderungsbedarf – auch und gerade im Hinblick auf die jüdische Einsicht, dass es – geschlechterunabhängig – zwischen jedem Einzelnen von uns und Gott keinen Vermittler geben soll. Dazu zählt auch die religiöse Stellung der Frau, die nicht daran gehindert werden darf, selbstständig und unabhängig von Männern eine Verbindung mit Gott aufzunehmen und zu verantworten. Inhalt Der Wochenabschnitt Matot erzählt von Mosches letztem militärischen Unternehmen, dem Feldzug gegen die Midjaniter. Danach teilen die Israeliten die Beute auf und besiedeln das Land. 4. Buch Mose 30,2 – 32,42 »Reisen« ist die deutsche Übersetzung des Wochenabschnitts Mass’ej. Und so beginnt er auch mit einer Liste aller Stationen der Reise durch die Wildnis von Ägypten bis zum Jordan. Mosche sagt den Israeliten, sie müssten die Bewohner des Landes vertreiben und ihre Götzenbilder zerstören. 4. Buch Mose 33,1 – 36,13 Wiederverwendung mit freundlicher Genehmigung der Jüdischen Allgemeinen. Der Artikel ist dort am 09.07.2021 erschienen. 17.07.2026 Artikelarchiv >> Rabbiner & Rabbinerinnen Strömungen Positionen Bet Din Publikationen Links Impressum Home © Allgemeine Rabbinerkonferenz