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Liberal · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

CHUKKAT - BALAK

ohne Namen · Allgemeine Rabbinerkonferenz – Paraschat HaSchawua · 2026-09-10 · Berlin · Quelle

Demut · Hauptbotschaft Verantwortung · tragend Wissen · tragend

Die Sünde Moses besteht nicht in einem einzigen objektiven Fehler, sondern wird je nach Ausleger in unterschiedlichen inneren Zuständen wie Zweifel, Wut oder Verlust des Selbstvertraens verortet, wobei die Missachtung des direkten göttlichen Befehls als Kern bleibt.

Mose und Aaron hätten einfach zum Fels reden sollen, wie Gott es ihnen befohlen hatte. Doch sie taten es nicht, und so kam es zum Betrug Gottes.

Der Text analysiert die biblische Episode, in der Mose und Aaron vor dem Felsen stehen, und fragt nach der Natur ihrer Sünde. Er stellt fünf verschiedene rabbinische und philosophische Auslegungen gegenüber, darunter die von Raschi, Ibn Esra, Maimonides, Elazar ben Azaria und Moses Mendelsohn. Raschi sieht den Fehler im Zweifel an Gottes Wort, während Maimonides die Wut über das murrende Volk als Ursache nennt. Ibn Esra betont den Verlust der geistigen Verbindung zu Gott, und Mendelsohn interpretiert das Verhalten als Verlust des Selbstvertrauens. Rabbi Schmuel David Luzato fasst die Deutungen zusammen und argumentiert, dass Mose lediglich den direkten Befehl Gottes missachtet habe. Der Text dient als lehrhafte Übersicht über die exegetische Tradition, ohne eine einzelne Auslegung als absoluten Wahrheitsanspruch zu erheben, sondern als vielschichtige Interpretation darzustellen.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Sünde, persönliches Versagen, Schuld vor Gott; Abkehr von Gott, Gleichgültigkeit, Götzendienst
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
Gebote befolgen, Ordnung einhalten, Pflichten erfüllen; innere Wandlung, Reue, Sinnesänderung
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

4. Mose 20,8-12

Gemessen

Grundhaltung
0 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
1 von 3
Reichweite
1 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 3, jetzt 1, künftig 0

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
CHUKKAT - BALAK Worin bestand die Sünde? Im Abschnitt Chukkat hören wir von der Sünde der Brüder Mose und Aaron. Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, worin ihre Sünde besteht. Was war geschehen? Auslegung von Rabbiner Salomon Almekias-Siegl Wir lesen vom Aufstand des Volkes Israel gegen seine beiden Anführer. Die Kinder Israel befürchten, mitten in der Wüste zu verdursten. Sie werfen Mose und Aaron vor, sie hätten das Volk wider besseres Wissen aus Ägypten in den sicheren Tod durch Verhungern und Verdursten in die Wüste geführt. Gott gibt daraufhin Mose den Auftrag: „Nimm den Stab und versammle die Gemeinde, du und dein Bruder Aaron, und redet zu dem Felsen vor ihren Augen; der wird sein Wasser geben. So sollst du ihnen Wasser aus dem Felsen hervorbringen und die Gemeinde tränken und ihr Vieh.“ Mose schlägt den Felsen mit dem Stab zweimal und es heißt: „Da kam viel Wasser aus dem Felsen, dass die Gemeinde trinken konnte und ihr Vieh.“ Umgehend bringt der Ewige seinen Unmut über diese Aktion seiner Diener zum Ausdruck: „Weil ihr nicht an mich geglaubt habt und mich nicht geheiligt habt vor den Israeliten, darum sollt ihr diese Gemeinde nicht ins Land bringen, das ich ihnen geben werde.“ Was haben die beiden falsch gemacht? Raschi, ein berühmter Kommentator der Tora aus dem 11. Jahrhundert, antwortet: Mose und Aaron zweifelten die Worte Gottes an und sprachen deshalb nicht zum Felsen, sondern schlugen ihn. Hätten sie zum Felsen gesprochen, ohne ihn zu schlagen, wäre Gottes Name geheiligt worden im Volk durch seine Diener. Es wäre eine Chance gewesen, den Glauben des Volkes zu stärken, die Mose aber vergeben hat. Rabbi Ibn Esra widerspricht Raschi und meint: Das Schlagen auf den Felsen, statt zu ihm zu reden, beweist keinen Zweifel an Gott, weil sich das Wunder tatsächlich vollzieht. Mose habe vielmehr auf eine enge geistige Verbindung mit Gott verzichtet. Deshalb hat er ein Wunder nach seinen eigenen Vorstellungen inszeniert. Der bedeutende spanische Rabbiner Maimonides erklärt dagegen: Die Sünde des Mose besteht darin, dass er sich über das Verhalten des Volkes ärgert und sich dadurch zur Wut verleiten lässt. Er hätte über der Kritik der Kinder Israel stehen müssen. So aber gab er der Nervosität über sich Macht, die zur Entweihung von Gottes Namen führte. Rabbi Elazar ben Azaria verbindet die beiden genannten Erklärungen von Raschi und Maimonides. Er sagt: Weil Moses auf das murrende Volk wütend wurde, macht er Fehler. Er versündigt sich gegen Gott, weil er sich von seinem Ärger hinreißen lässt und zweimal gegen den Felsen schlägt, anstatt nach Gottes Geheiß zu ihm zu sprechen. Der Philosoph Moses Mendelsohn erklärt Moses Fehlverhalten damit, dass er sein Selbstvertrauen vor der Gemeinde verloren hat. Nachdem sich das Volk bei Aaron und Moses beschwert hatte, gingen sie von der Gemeinde weg zur Tür der Stiftshütte und fielen auf ihr Angesicht – weil sie keine Kraft mehr hatten. Gott reagiert auf diesen Zustand seiner Diener und zieht entsprechende Konsequenzen. Da die Brüder in ihrem Gottvertrauen so geschwächt sind, kann der Ewige ihnen die Führung des Volkes im gelobten Land nicht anvertrauen. Sie haben versagt, die Heiligkeit und Ehre des Höchsten inmitten der Gemeinde zur Geltung zu bringen. Nach allen diesen Erklärungen stellt Rabbi Schmuel David Luzato fest: Mose beging nur eine Sünde. Doch die Kommentatoren der Tora haben an ihm dreizehn Sünden und noch mehr festgestellt. Er sagt: Nur Raschi hat Recht. Mose und Aaron hätten einfach zum Fels reden sollen, wie Gott es ihnen befohlen hatte. Doch sie taten es nicht, und so kam es zum Betrug Gottes. Wiederverwendung mit freundlicher Genehmigung des NDR. Der Beitrag wurde dort am 8. Juli 2022 gesendet. 03.07.2026 Artikelarchiv >> Rabbiner & Rabbinerinnen Strömungen Positionen Bet Din Publikationen Links Impressum Home © Allgemeine Rabbinerkonferenz