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Evangelisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

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ohne Namen · Stiftskirche Stuttgart – Predigten · 2025-12-24 · Stuttgart · Quelle

Hoffnung · Hauptbotschaft Fürsorge · tragend Gemeinschaft · tragend

Die Inkarnation Gottes als schutzloses Kind ermöglicht es den Menschen, ihre Ohnmacht und Sehnsüchte in einer leidvollen Welt geborgen zu wissen und so Hoffnung zu schöpfen.

Die Predigt hält am Heiligen Abend in der Stiftskirche Stuttgart und interpretiert die Weihnachtsgeschichte als Antwort auf menschliche Sehnsüchte. Sie stellt den Kontrast zwischen kindlichen Wünschen und den komplexen, oft unerfüllten Bedürfnissen Erwachsener heraus. Die zentrale theologische Aussage ist, dass Gott sich in der Inkarnation als schutzloses Kind darstellt, um Nähe, Geborgenheit und die Möglichkeit der gegenseitigen Fürsorge zu schaffen. Der Text verbindet diese theologische Botschaft mit aktuellen weltweiten Leiden wie Krieg, Terror und Krankheit. Er ermutigt die Gemeinde, ihre Sorgen und Tränen an die Krippe zu bringen, um Trost und Hoffnung zu schöpfen. Die Predigt betont, dass das göttliche Kind die menschliche Ohnmacht teilt und so die Angst vor Gott und der Welt abbaut. Abschließend wird die Botschaft der großen Freude als universelles Heilmittel gegen Zynismus und Verzweiflung dargestellt.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Krankheit, Tod, Vergänglichkeit als Grundproblem; Leere, Orientierungslosigkeit, Verzweiflung (erschlossen)
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
persönliche Erfahrung, Zeugnis, Begegnung mit Gott oder Menschen; Zuwendung Gottes, Erlösung, die nicht verdient wird
Was ist der Mensch nach diesem Text?
gefallen, aus eigener Kraft nicht heil zu machen
Wohin geht die Geschichte?
eine Wende, ein Kommen, eine neue Ordnung steht bevor
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
der Text kritisiert nicht (erschlossen)

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Lk 2,10-11

Gemessen

Grundhaltung
2 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
5 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 3, künftig 2

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
1 Stiftskirche Stuttgart Sonntag, 24. Dezember 2025 Heilig Abend Prälatin Gabriele Arnold Lukas 2, 10-11 Fürchtet Euch nicht, denn siehe ich verkündige Euch große Fre ude, die allem Volk widerfahren soll, denn Euch ist heute der He iland geboren. Liebe weihnachtliche Gemeinde, endlich ist es soweit, die Kerzen am Baum strahlen so wie die Gesic hter der Kinder, wir singen die schönen alten Weihnachtslieder und viele von uns freuen sich auf Kinder - und Enkelbesuch in den nächsten T agen. Große und Kleine, Junge und Alte sind heute Abend voller Hof fnung und Sehnsucht und es ist e in großes Wünschen nach Freude in der Luft. Wir wollen uns freuen. Wir wünschen uns so sehr, dass Fre ude kommt und uns berührt. Auch hier in der Kirche sind so viele Wü nsche, so viele Wünsche wie Mensc hen. Denn wahrscheinlich h aben alle hier ganz ve rschiedene Wünsche und Erwartungen und wi ssen, oder ahnen , was sie brauchen, um sich zu freuen. Vorhin im F amiliengottesdienst, da waren die Wünsche sicher noch leicht zu erfü llen. Ein neues Puppenhaus, eine Holzeisenbahn und was sonst wohl noch auf den kindlichen Wunschze tteln und Vorfreudezetteln zu lesen g ewesen wäre. Aber je erwachsener wir werden, desto größer werden ja unsere Wünsche. Desto schwieriger wird es oft, dass wir uns richtig und so von Herzen vom kleinen Zeh bis in die Haarspitzen freuen kö nnen. Da reicht uns kein Star Wars Bomber, der in diesem Jahr der Ve rkaufsschlager ist, und wir brauchen auch ke inen finanziellen Z uschuss mehr zu den Reit stunden oder zum Führe rschein. Bei uns E rwachsenen geht es um ganz andere Wünsche um ganz große Sehnsüchte und die füllen heute Abend unsere Stiftskirche und die Ki rchen überall auf der Welt. Unsere großen und unbescheidenen aber auch die bescheidenen Wünsche tragen wir im Herzen, wir tragen sie hie rher, bringen sie an die Krippe zu dem göttlichen Kind. Er soll uns wi eder froh 2 machen. Es sind so menschliche Wünsche. Wir sehnen uns nach Frieden in der Welt, nach sauberem Wasser für alle, nach dem E nde von Te rror und Gewalt, nach dem Ende der Barbarei. Und wir haben ja auch noch unsere ganz persönlichen Wünsche. Dass Kran kheit endlich vorbei gehen soll, dass der Streit in der Familie endlich enden soll, dass ich das L eben endlich wieder spüre und lachen kann und mich freuen. Das sind nur drei Wünsche und ich st elle mir vor wie alle diese Wü nsche hier und überall in einer großem Wunschballon aufsteigen und Gottes Herz suchen. Heute Abend sind wir alle ein bisschen unrealist ischer als an den anderen 364 anderen Abenden des Jahres, unrealist ischer, weicher und verl etzlicher. Und deswegen spüren wir heute Abend ja auch ganz besonders all uns ere Wünsche und sehnen uns so nach Freude. Wir haben ja alle in den vergangenen T agen so oft gute Wünsche g esagt und geschrieben und gehört und gelesen und uns fröhliche Wei hnachten gewünscht. Und weil wir in di eser guten wu nderschönen Wünsche Zeit leben, dieser freude nreichen Zeit , wie wir auch manchmal si ngen, spüren wir den Schmerz darüber, dass so viele Wünsche eben nicht in Erfüllung gehen. Die Freude auf den Hi rtenfeldern, sie ist nicht so einfach zu sp üren oder gar zu übertragen. Und so sind hier nicht nur viele Wünsche und viel unerfüllte Seh nsucht sondern auch viel Kummer und Herzeleid. Viel e von uns haben im vergangen Jahr e inen lieben Menschen verloren, and eren ist quasi unter der Hand die Liebe verloren gegangen, Krankheit und Einsamkeit stehen als großer Schrecken vielen vor Augen. Und trot zdem oder vielleicht gerade deswegen wegen all dem Bitteren, das wir erleben, sind wir heute Abend hier und wollen heute wenigstens he ute das Wünschen wieder entdecken und das Hoffen und Sehnen und das Freuen. Wir sind hier , weil wir wieder Hoffnung schöpfen wo llen, weil wir heute Abend zumindest an ein Wunder glauben wollen. Eben in der Lesung der alten G eschichte aus dem Lukasevange lium haben wir ja von dem Wunder g ehört und lauschen auch noch 2000 Ja hre später andächtig dem Wunder mit unseren Ohren aber vor a llem mit unserem Herzen. Da liegt ein kleines Kind. Schut zlos und ohnmächtig; ohne die Liebe und Zuwendung seiner Elte rn wäre es verl oren, würde e rfrieren und verhungern. Und in diesem winz igen, ohnmächtigen Menschlein ist Gott selber zur Welt gekommen. Der große und erh abene Gott hat sich ganz , ganz klein gemacht um uns zu e rreichen, unser Herz zu erreichen, um unsere Wün sche hören und sp üren zu können. Er will uns spüren, damit wir uns wieder spüren können. „Und es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augusts ausging..“ Als Augustus von seinem Weltreich e ine B estandaufnahme machen ließ , verließ Gott 3 das Himmelreich und mac hte sich auf den Weg zu uns. Alle Versuche , vorher das Herz der Me nschen zu erreichen, haben ihm nicht genügt. Es war ihm noch nicht genug Fre ude. Es braucht mehr als Worte, Worte der Propheten und der Ve rheißung. Und so setzt sich Gott selbst aufs Spiel wird schutzlos und oh nmächtig. Wir sollen uns nicht vor ihm fürchten müssen und wir sollen uns nicht vor ihm schämen müssen und wir sollen uns nicht l ächerlich und dumm vorko mmen müssen mit all unseren menschlichen Wünschen mit all unserer menschlichen Angst mit all unserer menschlichen Schuld. Wir sollen uns an Gott freuen können, so wie Menschen sich an einem Neugeborenen freuen. Ein Neugeborenes macht uns keine Angst, im Gegenteil. Es macht uns groß und stark, weil wir es b eschützen wollen. Es macht uns zärtlich und rührt uns an. Bei jedem Baby, das ich getauft habe, habe ich das gespürt und natürlich bei me inen eigenen Kindern. Gott wird einer von uns, d amit wir spüren wie nah er uns ist, wie sehr wir ihm am Herzen liegen, wie sehr wir ih m willkommen sind. Aber auch deswegen wird Gott klein und ohnmächtig, damit wir spüren können wie sehr er uns braucht. U nsere Liebe, unsere Zärtlichkeit, unseren Schutz braucht Gott um in der Welt nicht zu erfrieren. Wenn wir ihn nicht hüten, er wäre u msonst gekommen. Das Kind in der Krippe durchkreuzt all u nsere Vorstellungen von Gott. Gott hat unsere Werte auf den Kopf g estellt Im Schwachen und Ve rletzlichen liegt seine Stärke. Er braucht uns um in dieser Welt nicht zu erfrieren. Wenn das kein Wunder ist und Grund genug, uns heute Abend verwundert die Augen zu reiben und uns zu freuen. Es ist also doch ganz anders. Und weil Gott so ein kleines Kind geworden ist dürfen mir mit allem Recht heute Abend auch wieder zu Kindern werden und voll kindl ichem Vertrauen alle Wünsche, die wir im Herzen tragen zu ihm an die Krippe bringen. Gott lacht uns nicht aus, sondern in diesem Kind lacht er uns an freundlich und herzlich an. Als erwachsener Mann wird J esus, dessen Geburt wir hier feiern , sagen: „Kommt her zu mir alle, die ihr müde und belastet seid. Ich will euch froh machen“. Es werden nicht alle unsere Wünsche erfüllt werden, das wissen wir, aber alle Wünsche und alle So rgen haben einen Ort, an dem sie gut aufgeh oben, geachtet und gehütet sind. Die Geschichte vom großen Gott, der klein in die Welt kommt, die dü rfen wir hören. Dürfen hören, dass Gott da ist. Diese Botschaft will u nser wunschweiches Herz heute Abend erreichen. Verstehen können wir das nicht. Aber wir können der Geschichte vertrauen, ihr glauben . Wir kö n- 4 nen glauben, dass wir niemals mehr allein sind. Wir können gla uben, dass Gott mit uns ist. Können glauben , dass er unsere tief sten Wünsche und Sehnsüchte kennt und sie hütet wie einen Schatz. Und umgekehrt wir den großen Gott hüten und heilig halt en dürfen, wie ein Kind , das uns in die Arme gelegt ist. Diese Botschaft brauchen wir mehr als alles andere im Leben. Warum? Damit uns die Hoffnung und die Freude nicht verloren g ehen und wir nicht zynisch und stumpf werden. Denn auch wenn wir heute feiern und uns freuen, so wissen wir doch, dass es auch anders geht und dass wir viel Hoffnung und viele Wünsche brauchen , um unser Leben zu best ehen. Auch heute Abend gibt es Tränen in der Welt und der Tod geht um. Auch heute Abend werden Menschen schreien und s ich bitterlich Unrecht tun, auch heute Abend werden Menschen hungern und frieren und auf der Flucht ihr Leben lassen. Und Gott wird bei all denen sein, unbehaust und ungeborgen und ihre Tränen werden seine Tränen sein. Um da nicht zu kapitulieren, um da ni cht die Hoffnung zu verlieren und da Wünschen und die Sehnsucht nach einer anderen, besseren Welt nicht zu verlernen, brauchen wir die Gewissheit, dass wir und all uns ere Wünsche an Gottes Herzen geborgen sind und nicht in einem Wunsc hballon ungehört um die Welt kreisen wie eine E-Mail an den falschen Adressaten, die im Netz verloren kreist. Wir sind nicht verl oren. Heute Abend öffnet sich die Tür zum schönen Paradies und wir treten durch sie ein mit kindlichem Herzen. Und hinter dieser Tür wa rtet das göttli che Kind und erleuchtet unser Herz und unsere Sinne. Hinter di eser Tür h ören wir den Gesang der Engel: „Fürchtet Euch nicht. Siehe ich verkünd ige Euch große Freude, denn Euch ist heute der Heiland geboren“ Und wir müssen dem Kind keine anderen G eschenke br ingen als unsere Seh nsucht, unsere Hoffnung, unsere Wü nsche aber auch unsere Tränen, u nsere Verzweiflung und unsere Ohnmacht. Das ist die Botschaft von Weihnachten und sie gilt jedem und jeder hier in der Kirche, aber auch denen, die vielleicht zu weit weg sind von di esem Kind. Wir hören diese Botschaft für uns und stellve rtretend für all e Welt. Mit dieser Botschaft „Fürchtet Euch nicht. Siehe ich ve rkündige Euch große Freude, denn Euch ist heute der He iland geb oren“ kö nnen wir das Leben bestehen und di e Freude am Leben halten und damit uns und unser inneres Kind, das sich heute Abend freuen will. Amen.