Liberal · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen
I’m Still Standing
ohne Namen ·
Central Synagogue New York - Predigten ·
2026-09-04
· New York
· Quelle
Umkehr · Hauptbotschaft
Hoffnung · tragend
Wahrhaftigkeit · tragend
Das bewusste Erkennen der eigenen Existenz in der Gegenwart ('heute') ermöglicht es dem Menschen, trotz vergangener Fehler und Ängste die aktive Entscheidung zu treffen, das Leben und das Gute zu wählen.
Und weil ich noch immer stehe, kann ich noch immer wählen. Ich kann wählen, ehrlich auf mich selbst zu schauen. Ich kann wählen, besser auf mich selbst aufzupassen. Ich kann wählen, mich für etwas zu entschuldigen, das ich falsch gemacht habe.
Der Text analysiert die wiederholte Verwendung des hebräischen Wortes 'hayom' (heute) in der Paraschat Nitzawim. Er bezieht sich auf die Auslegung von Rashi, wonach Mose die Israeliten nach der Rezitation der Flüche tröstet, indem er feststellt, dass sie trotz aller Bedrohung noch immer stehen. Diese Beobachtung wird als Metapher für das menschliche Überleben und die Fähigkeit zur Neuausrichtung interpretiert. Der Redner verbindet dies mit dem bevorstehenden jüdischen Neujahrsfest Rosh HaSchana. Er betont, dass das Bewusstsein, noch zu existieren, die Grundlage für die Entscheidung ist, das Leben zu wählen. Der Text ermutigt die Zuhörer, das vergangene Jahr zu reflektieren und aktiv für positive Veränderungen zu entscheiden. Die zentrale Botschaft ist, dass jede Gegenwart die Möglichkeit bietet, das Leben neu zu wählen.
- Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
-
Sünde, persönliches Versagen, Schuld vor Gott
- Wo sitzt das Übel?
-
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
- Was hilft dagegen?
-
innere Wandlung, Reue, Sinnesänderung; persönliche Erfahrung, Zeugnis, Begegnung mit Gott oder Menschen
- Was ist der Mensch nach diesem Text?
-
selbstbestimmt, Urheber seines Handelns
- Wohin geht die Geschichte?
-
Wiederkehr, kein Ziel, immer dasselbe Muster
- Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
-
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf Tradition, Väter, gewachsene Praxis
- Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
-
den eigenen Glaubensgeschwistern
- Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
-
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst
Verwandte Texte aus anderen Traditionen
nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition
Wozu der Text aufruft
- Ehrlich auf sich selbst schauen (innerlich)
- Sich für etwas entschuldigen (zwischenmenschlich)
- Das Leben wählen (innerlich)
Genannte Stellen
5. Mose 29,1 · 5. Mose 29,11 · 5. Mose 30,19
Gemessen
- Grundhaltung
- 1 von -2 bis 2
- Eindringlichkeit
- 2 von 3
- Reichweite
- 1 von 5
- Konkretheit
- 2 von 3
- Abgrenzung
- 0 von 3
- Zeitbezug
- früher 2, jetzt 3, künftig 2
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
Wortlaut auf Deutsch
Transkript
Ich stehe noch | Paraschat Nitzawim
23. Elul 5786 / 4. September 2026
Von Rabbi Maurice A. Salth
Heute Abend möchte ich über … heute sprechen. Und mit „heute“ meine ich nicht den heutigen Freitag, den 4. September. Ich meine das hebräische Wort hayom, das ins Englische mit dem Wort „today“ (heute) übersetzt wird. Warum spreche ich heute Abend über hayom, „heute“?
Gut, genug Abbott und Costello.
„Drittes Base“
Okay, ernsthaft, ich meine es, das war’s.
Der Tora-Abschnitt dieser Woche, Nitzawim, beginnt damit, dass Mose diese Worte an die Israeliten richtet:
אַתֶּם נִצָּבִים הַיּוֹם
Atem nitzawim hayom.
„Ihr steht hier heute, ihr alle, vor dem Ewigen, eurem Gott.“
Eure Stammesfürsten, eure Ältesten, eure Beamten – der gesamte Leib Israels. Eure Kinder, eure Frauen, sogar der Fremde in eurem Lager, vom Holzhacker bis zum Wasserträger. Alle stehen dort. Und Mose sagt ihnen, dass sie heute einen Bund mit Gott eingehen.
Und dann sagt Mose:
„Ich schließe diesen Bund, mit seinen Sanktionen, nicht nur mit euch, sondern sowohl mit denen, die heute hier mit uns vor dem Ewigen, unserem Gott, stehen, als auch mit denen, die heute nicht hier mit uns sind.“
In diesen einleitenden Versen wiederholt Mose das Wort hayom, „heute“, fünfmal. Und er hört damit nicht auf. Das Wort hayom erscheint weiterhin im gesamten Abschnitt. Wenn unsere Weisen ein Wort antreffen, das immer und immer wiederholt wird, sagen sie uns, wir sollen innehalten und aufmerksam werden. Was also will Mose uns mit diesem wiederholten Wort sagen: hayom? Der große Kommentator Rashi gibt uns mehrere Möglichkeiten. Eine ist, dass Mose das Wort „heute“ verwendet, weil Mose weiß, dass sein Tod unmittelbar bevorsteht, und er die Israeliten mit Worten zurücklassen möchte, die lange nach seinem Weggang bei ihnen bleiben werden. Ich kann mir vorstellen, dass Mose Trost darin findet zu wissen, dass wir heute noch von ihnen sprechen.
Rashi gibt uns eine weitere Erklärung dafür, warum Mose das Wort hayom verwendet. Dies hängt damit zusammen, was im Tora-Abschnitt der letzten Woche geschah, als Mose neunundneunzig Flüche rezitierte, die über die Israeliten hereingebrochen wären, wenn sie es versäumen würden, die Gebote Gottes zu befolgen.
Und laut Rashi hat dies die Israeliten in Angst versetzt. Sie waren bleich im Gesicht. Sie waren entsetzt. Sie dachten: „Wer könnte vor diesen Flüchen bestehen? Wie können wir überhaupt weitermachen?“ Und Mose sieht ihre Angst.
Und so beginnt Nitzawim damit, dass Mose sagt:
Atem nitzawim hayom. Ihr steht hier heute.
Schaut euch selbst an.
Nach allem, was ihr gehört habt, nach allem, was geschehen ist, steht ihr noch immer. Und Rashi stellt sich vor, dass Mose etwas Schönes hinzufügt, nämlich dass Gott zornig werden mag und der Zorn Gottes nicht für immer andauern wird. Mose sagt: „Denkt an die Flüche wie an die Nacht. Die Nacht kommt und dann folgt der Morgen. Die Nacht eliminiert nicht den Tag, sie unterbricht ihn nur, und dann kehrt der Tag zurück.“ Und dies beruhigt die Ängste der Israeliten.
Vielleicht wird hayom in diesem Abschnitt mehrfach wiederholt, für uns alle, besonders für diejenigen unter uns, die sich wie die Israeliten fragen mögen: Wie kann ich weitermachen, angesichts all dessen, was uns widerfahren ist, und all dessen, was ich in diesem vergangenen Jahr getan habe? Es erinnert uns alle daran, dass wir hier sind. Wir haben es geschafft. Wir stehen noch immer.
Und wenn wir noch immer stehen, gibt es noch Entscheidungen, die wir treffen können.
Später in Nitzawim sagt Mose:
„Siehe, ich lege euch heute das Leben und das Gedeihen, den Tod und das Unglück vor.“
Und dann sagt Mose uns: Wählt das Leben.
Beachtet seine Schlüsselwörter: Hayom. Heute. Wählt das Leben.
Dies ist eine wichtige Botschaft, da wir uns dem Rosh HaSchana und dem kommenden Neuen Jahr nähern; relevant für diejenigen unter uns, die sich wie die Israeliten am Anfang von Nitzawim fühlen.
Wir kommen in diese Jahreszeit und tragen die Gesamtheit des vergangenen Jahres mit uns. Dinge, auf die wir stolz sind. Dinge, die wir bereuen. Wir tragen Beziehungen, die stärker geworden sind, und Beziehungen, die schwieriger geworden sind. Dies und wir wissen so viel mehr.
Und jedes Jahr kommt die Woche vor Rosh HaSchana, in der Paraschat Nitzawim erscheint und sagt: Atem nitzawim hayom. Ihr steht hier heute.
Und weil ich noch immer stehe, kann ich noch immer wählen. Ich kann wählen, ehrlich auf mich selbst zu schauen. Ich kann wählen, besser auf mich selbst aufzupassen. Ich kann wählen, mich für etwas zu entschuldigen, das ich falsch gemacht habe. Ich kann wählen, mich an jemanden zu wenden, dem ich ausgewichen bin. Ich kann wählen, besser auf die Menschen aufzupassen, die mir am teuersten sind. Ich kann wählen, etwas zu reparieren, das zerbrochen war. Ich kann das Leben wählen; und ich kann beginnen, hayom.
Schabbat Schalom.
Wortlaut im Original
Transcript
I’m Still Standing | Parashat Nitzavim
23 Elul 5786/September 4, 2026
By Rabbi Maurice A. Salth
Tonight I want to talk about…today. And by today, I am not talking about today, Friday, September 4th. I am talking about the Hebrew word hayom , which translates into English as the word “today.” Why am I speaking about hayom , today, tonight?
Okay, enough Abbott and Costello.
“Third base”
Ok, really, I mean it, that’s it.
This week’s Torah portion, Nitzavim , begins with Moses saying these words to the Israelites:
אַתֶּם נִצָּבִים הַיּוֹם
Atem nitzavim hayom.
“You stand here today, all of you, before the Eternal your God.”
Your tribal heads, your elders, your officials—the entire body of Israel. Your children, your wives, even the stranger within your camp, from the woodchopper to the water drawer. Everyone is standing there. And Moses tells them that they are entering into a covenant with God today.
And then Moses says:
“I make this covenant, with its sanctions, not with you alone, but both with those who are standing here with us today before the Eternal our God and with those who are not with us here today.”
In these opening verses, Moses repeats the word hayom , “today,” five times. And he doesn't stop there. The word hayom continues to appear throughout the portion. When our Sages encounter a word that is repeated again and again, they tell us to stop and pay attention. So what is Moses trying to tell us with this repeated word: hayom ? The great commentator Rashi gives us several possibilities. One is that Moses uses the word “today” because Moses knows that his death is imminent and he wants to leave the Israelites with words that will stay with them long after he is gone. I can imagine Moses taking some comfort in knowing that we are still speaking of them today.
Rashi gives us another explanation for why Moses uses the word hayom . This is connected to what happened in last week's Torah portion when Moses recited ninety-eight curses that would befall the Israelites if they failed to follow God's commandments.
And according to Rashi, this terrified the Israelites. They were pale-faced. They were horrified. They were thinking, “Who could possibly stand before these curses? How can we possibly go forward?” And Moses sees their fear.
And so Nitzavim begins with Moses saying:
Atem nitzavim hayom . You are standing here today.
Look at yourselves.
After everything you have heard, after everything that has happened, you are still standing. And Rashi imagines Moses adding something beautiful, that God may become angry and God's anger will not last forever. Moses says: “think of the curses like nighttime. Night comes and then morning arrives. The night does not eliminate the day , it just interrupts it, and then the day returns.” And this calms the Israelites’ fears.
Perhaps hayom is repeated multiple times in this portion for all of us, especially those of us who like the Israelites may be wondering with all that has happened to us and all that I have done in this past year, how can I go forward? It reminds all of us that we are here. We have made it. We are still standing.
And if we are still standing, there are still choices we can make.
Later in Nitzavim , Moses says:
“See, I place before you today life and prosperity, death and adversity.”
And then Moses tells us: Choose life.
Notice his key words: Hayom. Today. Choose life.
This is an important message as we approach Rosh Hashanah and the New Year ahead; Pertinent for those of us who feel like those Israelites at the beginning of Nitzavim .
We come to this season carrying the entirety of the past year. Things we are proud of. Things we regret. We carry relationships that have grown stronger, and relationships that have become more difficult. This and we know so much more.
And each year the week before Rosh Hashanah parashat Nitzavim comes along and says: Atem nitzavim hayom. You stand here today.
And because I am still standing, I can still choose. I can choose to look honestly at myself. I can choose to take better care of myself. I can choose to apologize for something I have done wrong. I can choose to reach out to someone I have been avoiding. I can choose to take better care of the people who are dearest to me. I can choose to repair something that has been broken. I can choose life; And I can start, hayom .
Shabbat Shalom.