Das wahre Christsein und der Zugang zum Reich Gottes bestehen in der bewussten Annahme einer demütigen, staunenden Kindlichkeit, die im Dienst an Schwachen und Behinderten gelebt wird.
Die Predigt gedenkt des verstorbenen Prälat Dr. Josef Schweiger und verbindet sein Lebenswerk in der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) mit dem Evangelium von Jesus und den Kindern. Der Prediger interpretiert die Aufforderung, wie Kinder zu werden, als Einladung zur Demut, zum Staunen und zur ungetrübten Freude, die Schweiger trotz seiner akademischen Bildung und Führungsrolle bewahrt habe. Es wird auf die historische Entwicklung der KJF nach dem Zweiten Weltkrieg eingegangen, insbesondere auf den Schutz und die Förderung von Kindern mit Behinderungen. Schweigers Wirken wird als Pionierleistung beschrieben, die einen kleinen Verein zu einem großen Sozialunternehmen wuchs. Das Sterbebild einer Kerze mit kreuzförmigem Docht wird als Symbol für sein selbstloses Dienen und seine Nachfolge Jesu gedeutet. Die Predigt schließt mit der Hoffnung auf die künftige Herrlichkeit der Kinder Gottes.
Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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16.01.2026 20260114_P_Messe_Dr._Josef_Schweiger_end.docx 1 Predigt zur Messfeier zum Gedenken an Prälat Dr. Josef Schweiger am 14. Januar 2026 im Regensburger Dom Lesung: 1 Joh 3,1-2 Evangelium Mk 10,13-16
„Lasst die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran! ... Wer das Reich Gottes nicht annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ (Mk 10,14f.) Oder, aus einem anderen Zusammenhang zitiert: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ (Mt 18,3) Ungewohnte Worte bei der Messe für einen Verstorbenen, werden Sie, liebe Schwestern und Brüder, sich vielleicht gedacht haben, während der Herr Caritas-Direktor als Diakon uns diese Evangeliums-Worte verkündete. Und doch muss ich sagen: Je länger ich über das Lebenswerk unseres verstorbenen Prälat Schweiger nachdenke, und je mehr ich ihn vor meinen geistigen Augen lebendig vor mir sehe, desto mehr scheint mir dieses Wort ein bezeichnendes Licht auf den Verstorbenen zu werfen.
Bei den Worten Jesu gibt es schon einmal genug zu staunen. Nicht die Erwachsenen werden den Kindern als Vorbild hingestellt, sondern die Kinder den Erwachsenen. Nicht die Kinder sollen in die Schule der Erwachsenen gehen, sondern die Erwachsenen in die Schule der Kinder.
Wahre und unverstellte Kindlichkeit als Lernziel für die Erwachsenen und als Eingangsbedingung für das Himmelreich!
Und ist es nicht so: Können wir nicht von den Kindern lernen, dass und wie man ein Geschenk tatsächlich aus reiner Freude annehmen kann, ohne die heimliche Hintergrund-Überlegung, wie man sich bei nächster Gelegenheit revanchieren – das heißt „rächen“ – kann. Das Stauen der Kinder, das unverstellte sich freuen können, das herzliche Lachen – Eingangsbedingungen für das Himmelreich! Was für die Kinder im
16.01.2026 20260114_P_Messe_Dr._Josef_Schweiger_end.docx 2 Allgemeinen gilt, gilt für Kinder mit Einschränkungen und Handycaps umso mehr.
Aber der Reihe nach. Lasst die Kinder zu mir kommen, insbesondere die, die mit einem Handycap, sei es angeboren oder erworben, ein schweres Kreuz tragen müssen. Als Josef Schweiger 1936 in Riedenburg in eine große Familie hineingeboren wurde und dort aufwuchs, waren über unserem Heimatland dunkle Wolken aufgezogen, eine Ideologie an der Macht, die insbesondere dem schwachen, dem behinderten Leben zutiefst feindlich gesonnen war. Die Machthaber schreckten oft nicht einmal davor zurück, in die kirchlichen Einrichtungen einzudringen, um ihr teuflisches Werk zu verrichten. Viele der Kinder und Jugendlichen haben es nicht überlebt. Auch unter dem Eindruck dieser menschenverachtenden Ideologie und ihrer Folgen begannen nach dem Krieg beherzte Frauen und Männer, die kirchlichen Einrichtungen, darunter allen voran die katholische Jugendfürsorge auf- und auszubauen, mit dem Ziel, jedem Kind, jeder und jedem Jugendlichen die ihm angemessene Förderung zuteilwerden zu lassen und so die Teilhabe am Leben zu ermöglichen.
In diese Dynamik hinein stellt sich das Lebenswerk unseres Prälat Schweiger. Unter seiner Ägide „vergrößerte sich die Katholische Jugendfürsorge [...] um 75 Einrichtungen und Dienste und von etwa 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf über 2.000. Als einer der großen Pioniere an der Spitze eines sozial-karitativ tätigen Verbands hat Prälat Schweiger ab den 1970er Jahren einen kleinen Fürsorgeverein zu einem bedeutenden Sozialunternehmen entwickelt.“ So hat Direktor Eibl in seinem Nachruf das Wirken Prälat Schweigers allein schon einmal unter der statistischen Rücksicht zusammengefasst. Eine Vergrößerung und Professionalisierung nicht um des Ruhmes oder Ansehens eines kirchlichen Verbandes willen, sondern um der Menschen, um der Kinder und Jugendlichen willen, die der Herr uns anvertraut hat. „Lasst die Kinder zu mir kommen.“
16.01.2026 20260114_P_Messe_Dr._Josef_Schweiger_end.docx 3 Und dann: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder ...“ Die „Theologie des Kindseins“, die Bedeutung der „Kindlichkeit“ gehört zu den innovativsten Aspekten der neutestamentlichen Botschaft, die noch lange nicht hinreichend verstanden und eingeholt ist. Zu den Konsequenzen gehört, ich habe es ja schon angedeutet, dass die Erwachsenen in den vielen Einrichtungen der Jugendfürsorge eben oft nicht einfach nur die Lehrer, sondern selber die Lernenden, die Schülerinnen und Schüler sind. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder...“ Ich will nichts beschönigen. Ich weiß auch, dass es das „Kindische“ gibt, was aber gerade nicht mit dem „Kindlichen“ verwechselt werden darf:
ungeheuchelte, ungetrübte Freude, von Herzen kommende Dankbarkeit und Zuwendung, ein überwältigtes Staunen, und vieles mehr.
Wer schon einmal das Vergnügen hatte, von Radio „Sag was“ interviewt zu werden, wer schon einmal mit den „Bananenflankern“ Elfmeterschießen geübt hat, oder gar, wer mit den Kindern des Pater- Rupert-Mayer-Zentrums Erstkommunion oder Firmung gefeiert hat, der weiß, was ich meine, weiß, wovon ich rede. Weit mehr als paternalistische Betreuung, ist die Arbeit der Jugendfürsorge oft genug Quelle der eigenen Bereicherung, des Beschenktwerdens.
Um welche Schätze der Menschlichkeit bringt sich eine Gesellschaft, die von vorneherein diese Dimensionen zu eliminieren sucht? Umso großartiger die Arbeit der KJF, zu deren Wachsen und Gedeihen unser Prälat Schweiger einen gewaltigen Anteil beigetragen hat.
Und wenn ich mir die Briefe von Prälat Schweiger anschaue, und wenn ich ihn mir noch einmal vergegenwärtige in den Begegnungen, die wir hatten, vor allem in den ersten Jahren meines Bischofsamtes hier in Regensburg, dann muss ich sagen: Er, der hochgebildete Theologe, an bedeutenden Fakultäten in Europa ausgebildet, Innsbruck und Madrid, er, die durchsetzungsstarke Führungspersönlichkeit, der kluge und geschickte Verhandler, der – ja heute sagt man so – Sozialmanager, er hatte sich eine ganz eigene Kindlichkeit und Menschlichkeit bewahrt.
16.01.2026 20260114_P_Messe_Dr._Josef_Schweiger_end.docx 4 Oder hat er sie vielleicht auch im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen, den er immer gesucht und gepflegt hat, hat er diese Kindlichkeit vielleicht sogar noch einmal neu gelernt und erworben?
Denn auch das ist ja ein Faktum, dass uns der tägliche Umgang auch prägt und formen kann.
„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder...“ Liebe Schwestern und Brüder, für das Sterbebild der KJF für ihren Prälat Schweiger wurde ein bemerkenswertes Bild ausgewählt: Sie haben es, denke ich, vor sich: Eine brennende Kerze, deren umgeknickter Docht zu einem Kreuz sich formt.
Ein wunderbares Motiv. Das Bild hat eine KJF-Geschichte: Die Kerze wurde von Herrn Robert Gruber, einem langjährigen Abteilungsleiter der KJF, aus der Jerusalemer Grabeskirche mitgebracht und bei einem Morgenimpuls im Frühjahr 2018 im Bischof-Wittmann-Zentrum verwendet. Herrn Deisenrieder fiel auf, dass der Docht sich kreuzförmig verformt hat. Was für ein Zeichen, was für ein Symbol, was für ein Kommentar auch noch einmal zum Primizspruch von Josef Schweiger:
„Bleibt in meiner Liebe“. Wie eine Kerze hat er sich verzehren lassen im Dienst an der Katholischen Jugendfürsorge. Seinen Dienst verstand er dabei immer als Nachfolge Jesu Christi, die immer auch das Kreuztragen, die Annahme des Kreuzes umfasst. Aber gerade so wurde er zum Licht, wurde er ein Vorbild und Leitbild, hat er Orientierung und zugleich Wärme vermittelt.
Dafür sagen wir ihm auch heute noch einmal von Herzen Danke.
Vergelte es Ihnen, lieber Prälat Schweiger, der Herrgott. Und möge sich ihm die Verheißung erfüllen, die wir in der Lesung aus dem Ersten Johannes-Brief gehört haben: „Jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ (1 Joh 3,2) Amen.