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Evangelisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Renz 15n Trinitatis

ohne Namen · Unser Lieben Frauen Bremen – Predigten (Audio) · 2026-09-13 · Bremen · Quelle

Verantwortung · tragend Wissen · tragend Dankbarkeit

Die biblische Schöpfungsgeschichte und die naturwissenschaftliche Erklärung des Ursprungs des Menschen führen zum selben Ergebnis, und die theologische Antwort auf die Frage nach dem Warum ist, dass Gott es will.

Die entscheidende Frage unserer biblischen Geschichte lautet aber nicht wie, sondern sie lautet warum. Warum? Und die theologische Antwort auf die Frage lautet, weil Gott es will.

Der Text liest Genesis 2,4b-15 als Predigtext und fragt nach dem Ursprung des Menschen. Er stellt die biblische Schöpfungsgeschichte neben eine naturwissenschaftliche Erklärung über Evolution und Ur-Suppe. Beide Wege führen nach Auffassung des Sprechers zum selben Ergebnis: Es gibt Menschen. Die theologische Antwort auf die Frage nach dem Warum lautet, dass Gott es will und dem Menschen den Lebensodem gibt. Der Text betont, dass die Frage nach dem Ursprung und dem Davor auch heute nicht beantwortet werden kann. Am Ende werden der Baum der Erkenntnis und der Auftrag, den Garten zu bewahren, als aktuelle Themen aufgegriffen. Der Mensch soll das Gute tun und die bedrohte Schöpfung bewahren.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit (erschlossen)
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen (erschlossen)
Was hilft dagegen?
praktisches Handeln am Nächsten, Werke; Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition; auf Argument, Logik, Wissenschaft
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
auch Tieren, Pflanzen, der ganzen Schöpfung
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
der Text kritisiert nicht

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Gen 2,4b-15

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
5 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 2, künftig 1

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Die heutige Lesung steht im zweiten Kapitel der Genesys des ersten Buchsmose. Sie ist zugleich der Predigtext. Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte. Und alle, die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute. Aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte alles Land. Da machte Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odom des Lebens in seine Nase. Und so war der Mensch ein lebendiges Wesen. Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten, und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Schöne Geschichte könnte man sagen und wenn man feststellt, oh, ich bin ja am Leben. Menschen gibt es ja tatsächlich, dann könnte man folgern. An der Geschichte von Gott und Mensch, da ist wohl was dran. Warum man als Gott, aber nun überhaupt Menschen ins Leben ruft, ließe sich fragen. Mögliche Antwort? Vielleicht, weil Gott selbst überfließende Lebendigkeit ist und deshalb gar nicht anders kann, als davon etwas abzugeben. Gar nicht anders kann, als Lebendigkeit in neue Form zu gießen, philosophisch gesprochen, der Essenz zur Existenz zu verhelfen. Oder sowas in der Art. Aber genau wissen, tun wir es natürlich nicht. Und man kann selbstverständlich auch ganz von Gott absehen, wenn man vom Menschen spricht, und sich einen anderen Ursprung des menschlichen suchen. Kommissar Rainer Zufall zum Beispiel, dass es Menschen gibt, ist purest Glück. Ist halt einfach so passiert. Klar, das kann man denken. Aber leichter oder logischer oder wahrscheinlicher wird es dadurch irgendwie auch nicht, finde ich. Die Geschichte vom Garten Eden ist uralt. Und sie erzählt vom Ursprung. Vom Anfang. Von der Zeit, die vor der Zeit liegt. Von einem Garten, der den Raum erst eröffnet. Natürlich ist das hier kein Tatsachenbericht. Da hat jetzt niemand Gott über die Schulter geschaut und mitgeschrieben, was da genau passierte zu der Zeit, da Gott der Herr, Himmel und Erde machte. Kann ja auch gar nicht sein. Denn als Gott, Himmel und Erde machte, war ja erst mal noch kein Schwein da. Und auch kein anderes Tier. Und auch kein Mensch. Aber wenn du dir mal vorstellst, du wärst Gott, kann man ja mal machen. Also du wärst Gott und du würdest denken, Mensch, ich bin ja reine Lebendigkeit. Ich bin das Leben selbst. Ich bin das Sein selbst. Und du kämpfst auf die Idee, von diesem Leben abzugeben. Leben in eine eigene andere Form zu gießen. So dass vielleicht sogar Beziehung möglich ist. Andere Wesen zuzulassen, die das Leben in sich tragen. Vielleicht nicht gleich für immer, aber erst mal Leben auf Zeit, in der Zeit. Und natürlich nicht ganz genau wie bei dir, denn dich als Gott gibt es nur einmal. Wenn du dir vorstellst, du wärst dieser Gott und du wolltest etwas Natürliches und Handfestes. Halbintelligentes mit Bewusstsein, sprich einen Menschen schaffen. Einen so ungefähr wie wir es jettet. Wie würdest du das machen? Und wenn ich es mir so überlege, finde ich diese Idee gar nicht so doof. Ich lasse erst mal Wasser aufsteigen, denn Wasser braucht es unbedingt, wenn Materie lebendig werden soll. Leben, das man anfassen kann. Leben, das eine Form hat. Leben, das natürlich ist, braucht zum Überleben Wasser. Das weiß doch jedes Kind. Leben kommt aus dem Wasser und nicht ohne Wasser aus. Naja, und dann nehme ich einfach Staub, der da so rumliegt, oder lass es Erde sein. Und dann form ich einen Körper und zum Schluss da hauere ich ihm einfach meinen Odem ein. Und dann setze ich den Menschen in die Natur, sprich in einen schönen Garten. Oder wie es so schön poetisch in der Bibel klingt, da machte Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und Gott pflanzte einen Garten in Eden und setzte den Menschen hinein. So könnte das gewesen sein. Es ging natürlich auch ganz leicht, ganz anders. Du könntest als Gott auch einfach erst mal Wasserstoff und Sauerstoff nehmen und zusammenkommen lassen und dann hast du Wasser und dann kannst du dir sagen, oh, warum so hektisch. Wir lassen das Ganze mal so ein bisschen vor sich hindümpeln und schmeißen noch mal ein paar andere Elemente in den Kosmos, und wir halten Licht am Leuchten. Und dann schauen wir mal, was sich aus dieser Ur-Suppe entwickelt. Und mit ein bisschen Glück regt sich dann irgendwann was und schau mal, nach Millionen von Jahren, aber Zeit spielt als Gott für dich ja überhaupt keine Rolle, also nach langer, langer Zeit, da gibt es doch plötzlich simple Lebensformen. Da hat sich in diesem hochenergetischen Feld um dich herum etwas Organisches gebildet und es bewegt sich. Von Menschen noch Millionen Jahre entfernt, aber egal. Du hast Zeit und du lässt es erst mal weiterlaufen, sagen wir mal, du lässt es evolutionieren. Lässt einfach das Licht brennen und ein Lebensodem der Weht noch weiter durch den Kosmos. Und siehe da. Aus den simplen Lebensformen werden komplexere, richtig interessante Organismen. Und siehe da. Da gehen am Wasser erste Pflanzen auf. Im Wasser riegt sich komplexeres Leben, keine Bakterien mehr, sondern irgendwann, ups, sind es Tiere. Das Leben kriegt aus dem Wasser und wird an Land heimisch und zack. Also in Wirklichkeit wie der Elend lange, hast du Tiere an Land, die irgendwann aufrecht laufen können. Und du bist begeistert und du denkst, wenn ich jetzt noch Kraft meiner Energie das Ganze noch etwas weiterentwickeln lasse und vielleicht am Ende reden sie sogar und können sich unterhalten, Beziehung aufeinander aufbauen und dann auch zu mir. Wenn sie halbwegs denken können und gut und böse unterscheiden und künstlerisch noch tätig sind und ach, die wird das toll. Jetzt schau sich das mal an. Juhu, wir haben Menschen. So könnte es natürlich auch laufen. Aber am Ende ist es wahrscheinlich egal. Denn das Ergebnis ist dasselbe. Juhu, wir haben Menschen. Und diesbezüglich macht es keinen Unterschied, ob da ein Theologe poetisch erzählt oder ein Biologe akribisch beschreibt. Die Geschichte vom Anfang, die Geschichte vom Ursprung, die Geschichte vom Garten Eden ist aus alten Zeiten. Und da wusste man von Natur wohl einiges, aber von Wissenschaft nun noch nicht ganz so viel. Wie auch. Die Zusammenhänge müssen erst gesehen, dann gedacht, dann bewertet und schließlich halbwegs durchschaut werden. Natürlich wusste damals niemand was von Aminosäuren und von DNA. Und die Erde, die war bestenfalls eine Scheibe. Auch Wissenschaft muss sich entwickeln und tut es noch. Aber das bedeutet nicht, dass die religiösen Menschen damals doof waren. Ich würde sagen, das Wesentliche hatten sie erkannt. Es fehlten bestenfalls noch Details. Details, mit denen wir zwar heute immer klug um uns werfen, Details, mit denen wir manche Zusammenhänge der Welt viel genauer oder manchmal sogar recht exakt beschreiben können. Aber die Frage nach dem Ursprung, die Frage nach hinter der Geschichte, die Frage Vorraum und Zeit, die können wir auch heute nicht beantworten. Was war davor? Das weiß niemand. Es gibt für uns kein denkbares davor. Wie hat sich Leben entwickelt? Ja, das können wir biologisch ganz gut nachzeichnen. Die entscheidende Frage unserer biblischen Geschichte lautet aber nicht wie, sondern sie lautet warum. Warum? Und die theologische Antwort auf die Frage lautet, weil Gott es will. Diese Welt mit allem Drum und Dran. Wir Menschen verdanken uns Gott. Das sagt hier die Bibel. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das, was wir täglich ein- und ausatmen und das, was unsere biologischen Zellen werkeln lässt, ist der Lebensodem Gottes. Energie, die unseren Körpern auf Zeit gegeben ist. Das sagt die Bibel. Die ganz, ganz aufmerksame Zuhörerschaft könnte jetzt noch einwenden. Und was ist jetzt noch mit dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen? Und was ist mit dem Auftrag, den Garten zu bebauen und bewahren? Ja, auch in diesen zwei Bemerkungen sind noch echte biblische Highlights angelegt, die aber noch mal ganz neue Fässer aufmachen, für die wir heute keine Zeit haben. Darum nur so viel. Die Frage nach Gut und Bösen. Die treibt die Menschen um, seit es Menschen gibt. Und sie wird sie umtreiben, solange es Menschen gibt. Lösen wir heute aber nicht und halten nur mal fest. Der göttlichen Bestimmung, wahrhaft Mensch zu sein, kann man gut entsprechen oder böse widersprechen. Also wenn es geht, tut das Gute und meide das Böse. Und das der Auftrag, den Garten zu bewahren, heute aktueller ist, als zur Zeit der geschöpften Weltentstehung, liegt auf der Hand. Der Garten ist massivst bedroht. Und jeder weiß es. Gut ist gut und böse ist böse. Der Mensch kann beides. Und nicht nur bebauen, sondern auch bewahren, ist überlebenswichtig. Und auch das wird immer wieder über sein und nicht sein entscheiden. Sein oder nicht sein.