Maria ist die universelle Zuflucht der Menschen, weil sie nicht verurteilt, und diese nicht-verurteilende Fürsprache ruft alle Getauften dazu auf, ihrerseits Fürsprecher und Mitliebende Gottes in der Welt zu sein.
Der Text ist eine Predigt zum 50-jährigen Jubiläum der Monatswallfahrt in Maria Puchheim. Der Sprecher berichtet von eigenen Wallfahrtsreisen und betont die weltweite Bedeutung Marias als Fürsprecherin, die niemand verurteilt. Er stellt Maria dem Bild des anklagenden Drachen aus der Offenbarung gegenüber und leitet daraus den Namen 'advocata nostra' ab. Anschließend wendet er sich gegen Rivalität, Neid und Feindbilder, die Beziehungen vergiften. Er ruft zur allgemeinen Berufung zur Heiligkeit auf, die sowohl Selbstheiligung als auch Heiligung der Welt umfasst. Jeder Getaufte sei eine Mission, die in kleinen Gesten des Trostes und der Versöhnung beginne. Der Text schließt mit dem Appell, menschliches Leben in allen Dimensionen zu schützen und Fürsprecher füreinander zu sein.
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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Unsere Fürsprecherin Predigt beim Gottesdienst anlässlich „50 Jahre Monatswallfahrt“ 5. September 2026, Basilika Maria Puchheim
In den letzten Wochen war ich mehrfach auf Wallfahrt: nach Altötting mit den Maltesern, mit Behinderten und w eniger Behinderten. Dor habe ich erlebt, wie wichtig Maria gerade für kranke, behinderte und beeinträchtigte Menschen ist. Dann war ich bei der „Mutter vom guten Rat“ in Genazzano und bei der „Madonna di bisogni“, bei der Madonna der Bedürftigen, in den Abruzzen. Vom 23. bis zum 28. August war ich zu Fuß von Linz nach Mariazell unterwegs.
Und schließlich habe ich in den letzten August und ersten Septembertagen im Irak bzw. in Kurdistan erfahren, wie stark die Verehrung für Maria bei den Christen dort ist, dass sie aber auch bei den Muslimen hoch in Kurs steht. Maria ist in allen unseren Ländern zu Hause. Jede Region hat ihre Marienorte, jedes Land hat seine Marienheiligtümer: Mariazell, Pöstlingberg, Einsiedeln, Altötting, Maria Puchheim ... Sie lässt sich nicht gegenseitig ausspielen, denn sie gehört allen. Es sind weder Werbeprospekte der Tourismusmanager noch die Pastoralstrategien unserer Diözesen, die diese Liebe zu Maria produzieren können. Sie selber sammelt überall die Menschen. – Maria ist uns Schwester und Mutter im Glauben. Aber warum ist sie das in so besonderer Weise? So, dass in allen Völkern die Herzen bei ihr Zuflucht suchen?
Warum dieses Vertrauen in Maria? Ich glaube, Maria ist die Zuflucht so vieler Menschen in der ganzen Welt, weil niemand sich von ihr verurteilt fühlt. Irgendwie spüren wir alle: Sie verurteilt mich nicht! Anders als der „Drache“ in der der „Offenbarung des Johannes“, der genannt wird „der Ankläger unserer Brüder, der sie verklagte vor unserem Gott Tag und Nacht.“ (Offb.
12,10c) Maria klagt uns nicht an. Sie verurteilt sie nicht. Deshalb nennen wir sie „ advocata nostra“, unsere Fürsprecherin. Sie verurteilt uns nicht, so sehr wir von anderen verurteilt sein mögen, oder von uns selbst, wenn unser Gewissen uns anklagt.
Nicht wenige sehen andere Menschen, Völker, Ethnien oder auch Weltanschauungen unter dem Vorzeichen der Bedrohung, der Rivalität und der Feindschaft. Rivalität richtet Grenzen auf zwischen Menschen, Rassen und Nationen und erzeugt Feindbilder. Durch Rivalität und Konkurrenz geht heute mehr und mehr die Fähigkeit verloren, echte Beziehungen einzugehen und sich einem Miteinander zu öffnen. Eine große Gefahr für das gemeinsame Miteinander ist der Neid. Der Neid ist die Traurigkeit über das Gut, über das Glück eines anderen. Wenn es einem anderen gut geht, so geht es mir schlecht. Wenn der andere gesund ist, so werde ich krank. Wenn der andere gewinnt, bin ich Verlierer. Es gibt das Schielen und Vergleichen, es gibt die Konkurrenz und eben den Neid, die Beziehungen nachhaltig vergiften. – Maria weiß, was andere brauchen. Sie spürt, was den Menschen fehlt. Sie ist Fürsprecherin
Berufung zur Heiligkeit Willst du heilig werden? Wohl hat das Vatikanum II die allgemeine Berufung zur Heiligkeit wieder in die Erinnerung gerufen. Bewusst wird diese Berufung im 5. Kapitel der Kirchenkonstitution vor die einzelnen Ausprägungen z. B. im Ordensleben gesetzt. Daher sind in der Kirche alle, mögen sie zur Hierarchie gehören oder von ihr geleitet werden, zur Heiligkeit berufen gemäß dem Apostelwort: „Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung“ (1 Thess 4,3; vgl.
Eph 1,4). Diese Heiligkeit … drückt sich vielgestaltig in den Einzelnen aus, die in ihrer Lebensgestaltung zur Vollkommenheit der Liebe in der Erbauung anderer streben. ... Jedem ist also klar, dass alle Christgläubigen jeglichen Standes oder Ranges zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen sind. Durch diese Heiligkeit wird auch in der irdischen Gesellschaft eine menschlichere Weise zu leben gefördert. 1 – Es geht zum einen also um die um die Selbstevangelisierung, um die Umkehr und Heiligung, die alle Dimensionen des Lebens, die leiblichen, die biogra fischen, die kommunikativen und die spirituellen Dimensionen. Die andere Richtung ist die Heiligung der Welt, der Kultur, der Wissenschaft, der Politik, der Wirtschaft. „Wir aber nehmen alles Denken gefangen, sodass es Christus gehorcht.“ (2 Kor 10,5) Wie viele Mitarbeiter:innen hast du? So wurde mein ehemaliger Caritasdirektor in Innsbruck einmal gefragt. Und seine Antwort bezog sich nicht auf die Zahl der Beschäftigten, sondern auf alle Einwohner:innen des Landes, weil alle Mitarbeiter:innen der Caritas Mitliebende Gottes sind. Es ist ganz wichtig, dass wir das annehmen und realisieren: Wir sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Reich Gottes, Mitliebende Gottes in dieser Welt. Wozu sind wir da? Damit Gott je mehr geliebt wird. Damit mehr Liebe und Freude in die Welt kommt! Wozu geistliche Berufe? Damit in der Welt mehr geliebt wird!
Jeder Christ, jede Christin ist eine Mission, so schreibt Papst Franziskus in Evangelii Gaudium:
„Die Mission im Herzen des Volkes ist nicht ein Teil meines Lebens oder ein Schmuck, den ich auch wegnehmen kann; sie ist kein Anhang oder ein zusätzlicher Belang des Lebens. Sie ist etwas, das ich nicht aus meinem Sein ausreißen kann, außer ich will mich zerstören. Ich bin eine Mission auf dieser Erde, und ihretwegen bin ich auf dieser Welt. Man muss erkennen, dass man selber „gebrandmarkt” ist für diese Mission, Licht zu bringen, zu segnen, zu beleben, aufzurichten, zu heilen, zu befreien. (EG 273) Vielleicht beginnt Mission heute mit einem offenen Ohr, einem Wort des Trostes, einer Versöhnung oder einer liebevollen Antwort auf eine längst vergessene Nachricht? Oft sind es gerade diese kleinen Gesten, durch die Gott Herzen berührt. Mission ist die Berufung jedes und jeder Getauften.
Leben schützen und entfalten Entschiedene Christen sind Freunde des menschlichen Lebens in allen seinen Dimensionen:
Freunde des geborenen und des noch nicht geborenen, des entfalteten und des behinderten, des irdischen und des ewigen Lebens. Dieses Leben ist heute besonders an seinem Anfang und seinem Ende bedroht. Wir werden daher unsere Kraft von Hirn, Herz und Hand einsetzen, um Menschen und ihre Umwelt zu schützen und zu entfalten. Unsere besondere Sorge gilt den Ehen und Familien. Sie sind unentbehrliche Bausteine der Gesellschaf t und der Kirche.
Die geringe Zahl der Kinder in unseren Ländern ist eines der größten Probleme Europas. Wir halten am Ideal stabiler Ehen und Familien unbeirrt fest und tragen am Geschick jener Menschen helfend mit, denen stabile Beziehungen zerbrochen sind.
Fürsprecher „Ein Pastor soll nicht über seine Gemeinde klagen, schon gar nicht vor Menschen, aber auch nicht vor Gott; nicht dazu ist ihm eine Gemeinde anvertraut, dass er vor Gott und Menschen zu ihrem Verkläger werde. ...der tue in der Erkenntnis eigener Schuld Fürbitte für seine Brüder,
1 Lumen gentium 39-40 (DH 4165).
der tue, was ihm aufgetragen ist und danke Gott.“ 2 Die Botschaft der Heiligen Schrift mutet uns zu, dass wir einander aufgetragen sind, einander Patrone sind, füreinander sorgen, Verantwortung tragen, einander Hüter und Hirten sind. Ich glaube, dass die Senioren Fürsprecher, Anwälte, Schutz für die jüngere Generation sind: Großvater, du bist mein bester Freund!
Oder eine Oma zur Enkelin: Ich denke an dich, ich bete für dich, ich zünde für dich eine Kerze an! Großeltern sind oft ganz wichtige Bezugspersonen und Freunde für ihre Enkelkinder. Wie oft sagen wir zueinander: H eute habe ich eine Untersuchung oder Operation, bitte denke an mich. Oder: Heute habe ich ein Bewerbungsgespräch, eine Prüfung, bitte bete für mich. Vielleicht zünden wir auch eine Kerze an in Christkindl, in Maria Plain, in Altötting, auf dem Pöstlingberg. Hilft Beten? Geht eine Prüfung besser, wenn die Oma eine Kerze anzündet? Rein rational, rein naturwissenschaftlich ist es nicht zu erklären. Und doch: E s ist eine Energiezufuhr, wenn andere uns mögen, gernhaben, Lasten mittragen, uns den Rücken stärken, uns nicht aufgeben oder einfach da sind, dass wir nicht allein, nicht im Stich gelassen werden.
+ Manfred Scheuer Bischof von Linz
2 Dietrich Bonhoeffer, Gemeinsames Leben. Das Gebetbuch der Bibel (WW hg. von E. Bethge, Bd. 5 hg. von G.L. Müller) München 1987, 26.