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EP25: Wahrheit und Wahrheitstypen

Kreuzkirche Mainz · Kreuzkirche Mainz – Schwarzbrot · 2026-06-13 · Mainz · Quelle

Wissen · Hauptbotschaft Wahrhaftigkeit · tragend

Wahrheit ist kein einheitliches Konzept, sondern lässt sich in verschiedene Typen und Theorien unterteilen, deren Verständnis sich im Laufe der Philosophiegeschichte verschoben hat und die im Alltag, in der Gesellschaft und in der Politik unterschiedlich relevant sind.

Man kann nämlich unterscheiden in der Erkenntnistheorie zwischen Inhalt und Methode der Entstehung einer Wahrheit. Die wichtigsten Wahrheitstypen sind erst mal empirische oder faktische Wahrheit.

Der Podcast-Text untersucht das Konzept der Wahrheit aus mehreren Perspektiven: als Alltagsproblem, philosophisches, theologisches, gesellschaftliches und praktisches Thema. Als aktuelle Anlässe werden die NSDAP-Datenbank des Spiegels, Aussagen von Trump, Klimaziele der Bundesregierung und Deep Fakes genannt. Philosophisch werden vier Wahrheitstypen unterschieden: empirische, logische, subjektive und normative Wahrheit. Anschließend werden vier große Wahrheitstheorien vorgestellt: Korrespondenz-, Konsens-, Kohärenz- und pragmatische Theorie. Die Philosophiegeschichte wird als Verschiebung des Wahrheitsortes beschrieben: von der Metaphysik (Aristoteles, Platon) über die Subjektphilosophie (Descartes, Kant) zur Sprachphilosophie des 20. Jahrhunderts. Der Text bleibt bewusst offen und stellt keine eigene Wahrheitstheorie auf, sondern lädt zum Nachdenken ein.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Unwissenheit, Illusion, falsche Sicht der Wirklichkeit
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis
Was ist der Mensch nach diesem Text?
selbstbestimmt, Urheber seines Handelns
Wohin geht die Geschichte?
die Botschaft steht außerhalb der Geschichte (erschlossen)
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf Argument, Logik, Wissenschaft
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen

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nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Gemessen

Grundhaltung
0 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
1 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 1, jetzt 3, künftig 0

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Hallo und herzlich willkommen zu Schwarzbrot, dem Podcast der Kreuzkirchen Mainz. Mein Name ist Andreas und ich unterhalte mich heute mit Loll zum Thema Wahrheit und Wahrheitstypen. Und erhältst du dich aber wirklich mit mir? Ja, ich hoffe doch. Ja, dann... Also, aktuelle Anlässe mal über Wahrheit etwas grundsätzlicher nachzudenken, gibt's ja genug. Ich habe sich so die Überschriften von Artikeln anguckt. Ich habe da gestern, vorgestern mal auf Spiegel online mal guckt. Der Spiegel hat ja gerade eine lange Serie an Artikeln laufen zum Thema NSDAP. Also, die haben eine Datenbank online gestellt, in der man gucken kann, welche Vorfahren von uns, wann in die NSDAP eingetreten sind, wenn sie sind und ob sich dann aus dem Zeitpunkt etwas über ihre Motivationsschlussfolger lässt oder so. Und dann spielt natürlich auch immer eine Rolle, wie sehr diese Wahrheit verschwiegen worden ist in den Familien. Also, ich kann mir vorstellen, dass es da eine Menge Diskussionen im Moment gibt, wenn auch wahrscheinlich nicht mehr so viele wie es vor 20 Jahren gegeben hätte, als die Leute noch gelegen haben. Weil die meisten Leute leben ja nicht mehr. Die Frage ist ja nicht nur, was ist verschwiegen worden, sondern unser Gehirn ist ja auch so, dass wir mit der Zeit uns selber rechtfertigen. Das heißt, Menschen rechtfertigen sich ja selber für das, was sie getan haben. Das ist nicht nur verschwiegen, sondern auch vor sich selber, sozusagen, versteckt worden, die eventuellen Motivationen oder was da sonst noch dahinter steckte. Ja, dann Trump sagt eigentlich jeden Tag, irgendwas, was mit der Wahrheit ganz offensichtlich nicht viel zu tun hat. Dann tut die Bundesregierung im Moment gerade so, als ob sie die Klimaziele noch einhalten will. Aber wo man sich auch fragt, wissen Sie, was Sie da erzählen? Wissen Sie, dass Sie Quatsch erzählen? Oder denken Sie tatsächlich, das ist so? Ja, und dann gibt es noch eine Debatte gerade über Deep Fakes. Also dieses Groteskenfalls von dem, was man mangels bessere Ausdrücke digital gewalt nennt, in dem gefälschte Videos eine Rolle spielen. Und da sind wir dann auch in der Frage, was wird Wahrheit? Also ist Wahrheit das, was passiert ist oder ist das Wahrheit, was Menschen als Wahrheit annehmen? Ja. Also um mich den ganzen Thema mal zu nähern, habe ich gedacht, ich würde das mal abklopfen auf unterschiedliche Perspektiven, und zwar in fünf Abschnitten. Mal gucken, ob wir da durchkommen. Einmal Wahrheit als Alltagsproblem, das basiert so ein bisschen auf dem, was ich gerade gesagt habe, dann gibt es Wahrheit als philosophisches Thema und dann als theologisches Thema. Und als Viertes würde ich Wahrheit als gesellschaftliches Problem ansprechen. Und als allerletztes dann, was ist Wahrheit eigentlich aus praktischer Sicht? Also was machen wir eigentlich, wenn wir unterschiedliche Auffassungen von etwas haben und wie gehen wir dann damit um? Oder auch unterschiedliche Erinnerungen. Wenn man das mal als Alltagsproblem sich anguckt, also was ich eben genannt habe, schon die unterschiedlichen Nachrichten, die alle um das Thema Wahrheit kreisen, dann im Alltag oder auch bei der Arbeit, ist mir gerade eine Episode passiert, jetzt gerade letzte Woche, wo ein Chef von mir verlangt, nicht unbedingt 100%ig bei der Wahrheit zu sein. Und wie man sich dann da aus so einer Situation herauswurscht, dann spielt das Thema Höflichkeit natürlich auch immer eine Rolle. Also ich kann sehr ehrlich zu jemandem sein, aber es kann sein, dass ich ihn damit beleidige oder verletze. Und dann natürlich das Riesenthema im Moment KI, Künstliche Intelligenz. Da geht es ja auch ganz oft um die Frage, dass eine KI, wenn sie befragt wird, nicht immer die Wahrheit sagt. Das wird dann ein bisschen verbrähmt als Halluzination bezeichnet. Und das scheint im Moment noch eine notwendige Folge zu sein, der Technik, die dahinter steckt. Wenn ich das richtig verstehe, sagt die KI das, was sie erwartet, das man erwartet, oder? Ja. Und da sind wir ja aber genau bei der Frage, was ist denn eigentlich Wahrheit? Also gibt es die eine Wahrheit? Da würde ich dann mal direkt überleiten zum jächsengroßen Punkt, was sind eigentlich unterschiedliche Wahrheitstypen? Also das ist jetzt die Abteilung Philosophie. Man kann nämlich unterscheiden in der Erkenntnistheorie zwischen Inhalt und Methode der Entstehung einer Wahrheit. Die wichtigsten Wahrheitstypen sind erst mal empirische oder faktische Wahrheit. Das bezieht sich auf die physische Realität und messbare Tatsachen. Und das wird eben überprüft durch Beobachtung oder Experimente. Dann gibt es als Zweites die logische oder formale Wahrheit, die ist unabhängig von unserer Erfahrung und ergibt sich rein aus den Gesetzen der Logik und der Mathematik oder Definitionen. Also ein Beispiel ist ein Dreiecker, drei Ecken. Dann gibt es die subjektive Wahrheit. Das bezieht sich auf unsere individuellen Erfahrungen, auf Empfindungen oder auch auf Glaubenssätze. Also ein banales Beispiel, das Essen schmeckt super. Das existiert tatsächlich nur aus meiner eigenen Perspektive. Und dann als letzte Wahrheitsart gibt es normative oder moralische Wahrheiten. Also Werturteile oder ethische Grundsätze oder Normen, die innerhalb einer Gesellschaft oder einer Gruppe ausgültig angesehen werden. Also in dem Zusammenhang, das Lügen falsch sein soll. Das ist auch eine Wahrheit. Das ist eine kollektive Wahrheit im Prinzip. So zu sagen, ja. Die aber nicht notwendigerweise immer gilt. In jeder Gesellschaft. Genau. Also das ist keine naturwissenschaftliche Wahrheit. Normative Wahrheiten beziehen sich letztendlich immer auf eine Kultur oder einen Kontext, in dem sie entstanden sind. Wobei, da fängt die Diskussion nämlich schon an. Also den philosophischen Diskussion darüber, ob normative Wahrheiten real existieren und unabhängig vom Menschen sind. Oder ob sie tatsächlich komplett kontextbezogen sind. Ja gut, aber nehmen wir mal dein Beispiel mit den Lügen. Das ist eindeutig kontextbezogen. Also da tun wir gerne so, als wäre das die Wahrheit, man soll das nicht machen. Aber dann werden Fragen gestellt, wie geht es dir denn und die erwartete Antwort ist gut. Ja, aber wenn man es jetzt mal auf der philosophischen Ebene sich anguckt, dann würde ich sagen, auf der gesamten Welt durch sämtliche Kulturen werden Kinder erzogen, indem man ihnen sagt, du sollst mir, du sollst deinen Eltern die Wahrheit sagen. Und das ist insofern eine, würde ich mal sagen, eine universeale Norm. Weil wenn man das zu Ende denkt und Ausnahmen zulässt von dieser universalen Norm. Also es gibt immer Leute, die dagegen verstoßen. Aber wenn das als Norm nicht gilt, dann würde das heißen, dass eine Gesellschaft am Ende nicht wirklich funktionieren kann. Aber nur die Gesellschaft, also die ist die Norm nicht, du sollst niemals jemanden anlügen, sondern du sollst deine Familie nicht anlügen, deine Gesellschaft nicht anlügen. Okay, da könnten wir schon gleich richtig in die Tiefe gehen. Ich würde erstmal weitermachen mit den großen Wahrheitstheorien, also wie Wahrheit begründet wird in der philosophischen Ecke. Da gibt es unterschiedliche Denkan setze. Die erste Wahrheitstheorie ist die sogenannte Korrespondensteorie der Wahrheit. Und das heißt, eine Aussage ist dann wahr, wenn sie exakt mit den tatsächlichen Fakten oder mit der objektiven Wirklichkeit übereinstimmt. Also zum Beispiel, wenn man sagt, die Sonne ist heiß, dann ist das wahr, wenn die Sonne in der Realität heiß ist. Dann gibt es, und dann kommen wir jetzt in den Kontext rein, die Konsenstheorie der Wahrheit, nach der entsteht Wahrheit als Ergebnis eines seichberechtigten Austauschs von Menschen, eines Diskurses. Also wahr ist, worüber sich eine Gemeinschaft einig ist. Also in unserem Fall könnte man sagen, für uns alle es wahr, dass die Menschen rechtegültig sind. Dann gibt es als Drittes die Kohherrenztheorie, die besagt, dass eine Aussage dann wahr ist, wenn sie widerspruchsfrei ist, also in sich geschlossen, und dass sie keine Aussagen enthält, die anderen Aussagen widersprechen. Ja, und die letzte pragmatische Wahrheit, die letzte Wahrheitstheorie, die wahr ist, was sich im praktischen Leben bewährt hat und nützlich ist. Also zum Beispiel, du solltest deine Freundin nicht anlügen. Manchmal ist das so, man hat Gespräche mit jemandem, und man denkt sich, jetzt haben wir es eigentlich geklärt, wie es abläuft. Und eine Woche später führt man ein Gespräch und merkt, das ist nix, nix war abgeklärt. Wir waren überhaupt nicht auf demselben nennen. Wir haben was komplett anderes mitgenommen aus diesem Gespräch. Du weißt nicht, ob du das kennst. Ja, absolut. Und da ist dann die Frage, wer hat jetzt recht, wer hat die Wahrheit sozusagen? Ich würde sagen, das kommt bei uns im Büro ungefähr zwei oder dreimal im Monat vor. Und das ist ganz besonders beliebt bei Meetings, wo alle schlaue Beiträge abgeben und hinterher alle den Eindruck haben, wir haben jetzt richtig was geschafft und dann rausgehen und dann nach zwei Wochen feststellen, ich habe es eigentlich ganz anders verstanden. Ja, und deswegen ist das gar nicht so einfach mit dem Konsens. Ich würde gerne noch ein bisschen bei der Philosophie bleiben. Ich habe mir nämlich angeguckt, welche Karriere der Wahrheitsbegriff in der Philosophiegeschichte gemacht hat. Da gibt es nämlich unterschiedliche Grundauffassungen davon. Und wenn man das ganz kurz und grob zusammenfasst, also man könnte natürlich zu jedem einzelnen eine ganze Podcastreihe machen, könnte man sagen, dass man die Philosophiegeschichte beschreiben kann als Verschiebung des Wahrheitsortes. Das heißt, womit beschäftigt man sich eigentlich, wenn man die Frage stellt, was ist Wahrheit? Und Leute haben zu unterschiedlichen Zeiten darauf unterschiedlich geantwortet, weil sie auch die Frage unterschiedlich verstanden haben. Also in der Metaphysik, in der klassischen Philosophie, Aristoteles Platon, ist die Wahrheit eine Entsprechung zur Wirklichkeit. Das heißt, Wahrheit ist eine Übereinstimmung von Denken, Aussagen und Urteilen mit dem Sein. Das hat relativ lange gegolten. Ich würde jetzt mal gleich rüber springen in die Neuzeit. Da hat sich die Frage verschoben. Und da kommen wir in die Subjektphilosophie. Also die Wahrheit wird stärker an das Bewusstsein oder an unsere Vorstellungen oder an unsere Erkenntnisbedingungen beknüpft. Und da sind natürlich die Kraft und Kant die zentralen Akteure. Also Wahrheit ist sozusagen Gewissheit abhängig von den Bedingungen davon, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen. Da ist jetzt die Frage, kann es dementsprechend abweichen, je nachdem, wie ich die Umwelt wahrnehme und du, der du die Umwelt wahrnimmst. Genau. Da fangen die interessanten Probleme an. Dann hat sich das weiterentwickelt von der Subjektphilosophie zur Sprachphilosophie im 20. Jahrhundert. Da wird Wahrheit nicht mehr primär als das Verhältnis zwischen Bewusstsein und Welt, also so, wie ich mir die Welt denke bzw. wie ich sie erfahre, sondern als das Verhältnis von Sätzen und deren Bedeutung und deren logische Form untersucht. Also die Wahrheit wird sementisch und logisch und pragmatisch analysiert. Das heißt, die Frage ist, was macht einen Satz eigentlich wahr? Die Bedingungen ist eine Aussage wahr. Also da geht es hauptsächlich um die Eigenschaft von Aussagen innerhalb von sprachlichen Strukturen. Und da kommt man dann, gerade wenn man mit unterschiedlichen Sprachen interagiert in Bedrängnis, weil man in bestimmten Sprachen bestimmte Dinge nicht ausdrücken kann oder anders ausdrücken muss und kann dann etwas, was man in der Sprache nicht ausdrücken kann, aber in anderen Sprachen war sein. Mhm. Die Grundfrage ist, wenn ich in einer Sprache etwas nicht ausdrücken kann, kann ich es dann überhaupt denken. Genau. Da würde die Sprachphilosophie sagen, nee, das geht nicht. Kann es dann in einer anderen Sprache, wo man das ausdrücken kann, wahr sein, wenn es nicht universell wahr sein kann, weil die andere Sprache es nicht denken kann. Gut, Frage. Und dann würde ich sagen, ab der Sprachphilosophie würde ich jetzt aus pragmatischen Gründen darstellen. Auf der einen Seite gibt es Habermas mit der Theorie des kommunikativen Handels, die er in den 70er-Jahren geschrieben hat beziehungsweise entworfen hat und der verlegt die Wahrheit in den Horizont kommunikativer Rationalität. Das heißt, wer etwas behauptet, muss das auch begründen können und die Begründung muss möglichst innerhalb eines rationalen Diskurses stattfinden. Also es ist nicht nur davon abhängig, ob ich davon überzeugt bin, dass etwas wahr ist, sondern ich muss es fertig kriegen, andere davon zu überzeugen. Und erst dann wird es, sozusagen zu einer allgemeingültigen Wahrheit. Also Wahrheit ist dann nicht beliebig, sondern ist an Gründe eben und an Rechtfertigung und Verständigung gebunden. Und man muss sich quasi ausdiskutieren. Genau. Aber es ist tatsächlich auch möglich, das zu machen. Also das ist sozusagen die zentrale Grundidee der Theorie des kommunikativen Handelns, dass eine Verständigung grundsätzlich möglich ist. Und die Postmoderne ist sozusagen die andere Zweik dieser Gabelung. Das ist jetzt eine sehr pauschale Aussage und da gibt es bestimmt viele Experten der Postmoderne, die da widersprechen würden. Aber ich würde sagen, ganz grundsätzlich misstraut die Postmoderne den Narrativen, den großen Wahrheitsgeschichten. Genau. Erst mal den großen Narrativen und dann tatsächlich auch den Wahrheitsansprüchen darunter. Das wird beschrieben als Skepsis gegenüber den großen Metaerzählungen. Und das wendet sich eben dann nicht nur gegen das Christentum als eine große Metaerzählung, sondern dann auch im weiteren Verlauf gegen den Marxismus, der ja auch irgendwo eine geschichtsphilosophische Großerzählung ist. Und es geht dann aber auch weiter und wendet sich gegen die Vorstellung davon, dass Wissenschaft eine Institution ist, die gültige Aussagen über die Welt treffen kann. Und die Grundeinstellung ist sozusagen postmoderner Theoretiker zum Thema Wahrheit ist, dass Wahrheit eben plural ist und perspektivisch und nicht nur an die Sprache gebunden ist, sondern auch an die Position des Sprecher. Also, dass sie abhängig ist von Machtverhältnissen. Und dass man am Ende sozusagen nicht wirklich sagen kann, was die Wahrheit ist, weil jeder seine eigene Wahrheit hat. Und das Wahrheit letztendlich sich als gültige Kategorie auflöst. Ja, dass man sie nicht gut verhandeln kann. Weil ich dir nicht verständlich machen kann, wie mein Gehirn funktioniert. Weil unser Gehirn ist das, was die Wahrheit konstruiert. Und ich kann dir nicht verständlich machen, wie mein Gehirn funktioniert. Du kannst mir nicht verständlich machen, wie und warum dein Gehirn funktioniert, wie es funktioniert. Und dementsprechend können wir unsere Wahrheit nicht austauschen. Und deswegen ist es hinfällig, darüber zu diskutieren. Also, wenn man das Ganze mal zusammenfasst, dann könnte man sagen, in Antike und Mittelalter fragt man nach der Wahrheit des Seins. In der Neuzeit fragt man nach der Gewissheit des Subjekts. In der Sprachphilosophie, dann im 20. Jahrhundert fragt man nach den Wahrheitsbedingungen von Setzen. Und Habermas fragt nach der rationalen Richtfertigung einer Wahrheit im Diskurs. Und die Postmoderne fragt nach den Grenzen und Machtbedingungen und den unterschiedlichen Perspektiven des Wahrheitsanspruchs. Da ergibt sich ja was draus. Wenn du nach dem fragst, was ist, wenn du davon ausgeht, es gibt eine Wahrheit, und du kannst sie erkennen, und wir erkennen sie alle gleich, dann diskutierst du, dann redest du auf einer ganz anderen Basis miteinander, als wenn du, wie in dem Mittelteil davon ausgehst, dass es zwar eine Wahrheit gibt, aber wir darüber reden müssen, wie er sie zusammen erkennen müssen, als wenn du davon ausgehst, dass Wahrheit plural ist und dass wir sie nicht wirklich austauschen können. Und da stößt ihr auf massive Probleme, wenn du mit jemandem, der dieses sehr traditionelle, self-evident Wahrheitsbild hat, versus jemand, der von einer Vielfalt der Wahrheiten ausgeht und die versuchen miteinander zu interagieren. Da stößt ihr an ganz viele Probleme. Also letztendlich muss man sagen, in der postmodernen Philosophie sind die sozialen Kontexte so unterschiedlich, weil sich die Gesellschaften auch immer weiter ausdifferenzieren, dass dann eine Verständigung auf eine gemeinsame Wahrheit eigentlich nicht mehr möglich ist. Und man zu dem Schluss kommt, es gibt nur noch viele Wahrheiten, und wenn es nur noch viele Wahrheiten gibt und keiner mehr den Richterspielen darf, das ist sozusagen die letztendgültige Wahrheit, wie regelt man dann Interessenkonflikte? Und die notwendige Folge aus dieser Weltsicht ist eigentlich, dass du Interessenkonflikte dann nur noch über Macht und Gewalt regeln kannst. Gut, aber das ist die notwendige Folge auch, zum Beispiel aus dem Bild, dass es eine Wahrheit gibt und die für alle erkennbar sein müsste, wird die Welt auch durch Macht geregelt. Man entscheidet einer, was ist die Wahrheit und alle anderen müssen mit oder frisst oder stirbt. In dem mittleren, wo man darüber diskutiert, was ist die Wahrheit, wo man darüber versucht, das gemeinsam zu ergründen, es sind auch wieder Machtverhältnisse, das Entscheidende, wer wird mehr gehört, wer kann sich besser ausdrücken, wer hat mehr Informationen zur Verfügung. Das heißt, mit einem Machtproblem hast du in allen drei diesen Definitionen. Mhm. Es gibt ja eine Theorierichtung, die behauptet, dass grundsätzlich jede Monotheismus am Ende zu Gewalt führen wird, weil in einem monotheistischen System mit einer absoluten Wahrheit sich die Akteure auf diese absolute Wahrheit berufen und dann glauben, im Namen dieser Wahrheit alles tun zu dürfen. Ich bin nicht ganz sicher, ob die Theorie stimmt. Ich glaube, im Bezug auf das Entum stimmt sie nicht. Das ist ein menschliches Problem. Das ist ein menschliches Problem. Immer da, wo Menschen erkennen, dass sie über etwas Macht ausüben können, indem sie etwas als Wahrheit deklarieren, dort werden sie es tun. Oder dort wird jemand es tun. Nicht jeder Mensch, aber immer ein Mensch. Und da ist das Christentum nicht mehr gefeiert vor als alle anderen, würde ich sagen, haben wir auch erlebt. Aber auch das ist wieder nicht das Problem von der Wahrheit oder der Sache an sich, würde ich sagen. Sondern es ist ein menschliches Problem. Es ist, wie wir Menschen mit Dingen umgehen. Bisher waren wir immer noch im Bereich der Philosophie. In sehr grundsätzlichen Überlegungen. Die Tendenz ist da immer, in die Praxis reinzurutschen. Das würde ich gerne später noch vertiefen. Noch ein paar Worte zum Habermas. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten mal wieder mehr von ihm gelesen. Er ist ja jetzt im März gestorben mit, ich glaube, 96 Jahren oder so. Und ich finde die Theorie deswegen wichtig und interessant, weil Habermas selber von sich sagt, dass er Materialist ist. Er kommt ja aus der Frankfurter Schule, langfristig aus einer marxistischen Richtung. Er hat aber trotzdem oder hat deswegen auch immer den Anspruch mit seiner Philosophie gehabt, die Welt eben nicht nur zu beschreiben, sondern auch zu verändern, wie Marx das gesagt hat. Und ist dann aber im Zuge seiner Theorieentwicklung darauf gekommen, wenn wir die Welt verbessern wollen, dann müssen wir uns verständigen. Und das geht eben unter bestimmten Bedingungen, die er dann als die notwendigen, pragmatischen Voraussetzungen kommunikativ in Handelns bezeichnet. Und wenn man sich diese Bedingungen mal anguckt, das finde ich super interessant, ganz banal, und das ist eine Stellung, dass die Welt existiert, ist eine Bedingung. Ja, sonst brauche ich nicht anfangen. Genau, zweitens, dass wir sie erkennen können, zumindest teilweise. Drittens, dass alle Beteiligten... Da würden ja einige postmoderne Denker widersprechen. Ja. Dann drittens, dass alle Beteiligten in der Kommunikation die Wahrheit sagen wollen und auch zurechnungsfähig sind. Also wie gesagt, das sind alles die Bedingungen, die quasi in einem Diskurs Wahrheit produziert werden könn