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Liberal · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

BEHAR - BECHUKOTAI

ohne Namen · Allgemeine Rabbinerkonferenz – Paraschat HaSchawua · 2026-09-10 · Berlin · Quelle

Gerechtigkeit · Hauptbotschaft Fürsorge · tragend Wissen

Die biblischen Gebote zum Schutz der Armen sind zeitlos und müssen als Grundlage für eine gerechte Gesellschaft verstanden werden, die arme Menschen als Individuen schützt und nicht als abstrakte Masse betrachtet.

Wir reden nicht von “Den Armen”, sondern von “armen Menschen”. Das Substantiv ist hier wichtiger als das Adjektiv.

Der Text ist eine Auslegung der biblischen Parasha Behar-Bechukotai durch Rabbiner Walter Rothschild, die sich mit dem biblischen Verbot der Sklavenarbeit für verarmte Brüder befasst. Der Rabbiner überträgt diese antiken Verse auf die moderne Arbeitswelt und beschreibt konkrete Formen von Armut, wie das Leben von Hartz-IV-Empfängern, unterbezahlte Jobs, Schwarzarbeit und Obdachlosigkeit. Er kritisiert die heutige 'Pleitekultur' und die Ausbeutung durch Arbeitsvermittler, die oft mehr verdienen als die vermittelten Arbeitnehmer. Der Text betont, dass harte Zeiten und Armut historisch immer bestanden haben, was durch die Erfahrungen der Großeltern im Bergbau und in der Industrie belegt wird. Die zentrale Frage ist, wie eine Gesellschaft mit Armen umgeht und welche Gesetze nötig sind, um sie vor Missbrauch zu schützen. Der Text fordert dazu auf, die biblischen Antworten neu zu lesen und zu erkennen, dass es um 'arme Menschen' und nicht um eine abstrakte Kategorie geht. Er schließt mit dem Hinweis, dass die Zeiten hart bleiben, aber die ethische Verantwortung der Gesellschaft unverändert ist.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Ausbeutung, Unterdrückung, ungleiche Verhältnisse
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
gerechte gesellschaftliche oder politische Verhältnisse; Einsicht, Lernen, Aufklärung, richtige Erkenntnis
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Wohin geht die Geschichte?
Wiederkehr, kein Ziel, immer dasselbe Muster
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

3. Mose 25,39-40 · 3. Mose 25,42

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
BEHAR - BECHUKOTAI Die Zeiten waren immer hart Auslegung von Rabbiner Walter Rothschild “Wenn dein Bruder neben dir verarmt und sich dir verkauft, so sollst du ihm nicht Sklavenarbeit auferlegen. Wie ein Tagelöhner, wie einen Beisassen sollst du ihn behandeln.” Unser Wochenabschnitt sagt viel über Armut und die Rechte der Armen. Wie sollen wir heutzutage diese Verse (3. Mose, Kapitel 25, Versen 39-40) verstehen? Armut hat es schon immer gegeben, daran hat sich nichts geändert. Arme Menschen leben auch weiterhin neben und unter uns. Auch daran hat sich nichts geändert. Die einen versuchen, von Harz IV zu leben; andre versuchen, mit unterbezahlten Jobs durchzukommen, ohne betteln zu müssen. Manche machen immer mehr Überstunden, suchen Nebenjobs oder arbeiten nebenher schwarz, nur um ihre Familien zu ernähren. Und diejenigen, die nicht einmal eine Bleibe haben, verkaufen in der S-Bahn ihre Obdachlosenzeitung. Was ist mit denen, die plötzlich erfahren müssen, dass ihr Betrieb geschlossen wird, oder dass Arbeitsplätze abgebaut werden und die einzige Möglichkeit noch arbeiten zu können bedeutet, in einem ‘Dumping-Lohn’ Betrieb unterzuschlüpfen? Ohne Job-Sicherheit, ohne Versicherung, aber immerhin besser als nichts? Man verkauft sich an einen Menschenhändler (heute heißt es ‘Arbeitsvermittlungsfirma’, das klingt viel schöner), wohl wissend, dass der Vermittler manchmal besser verdient als der Arbeitnehmer den er vermittelt. Die Zeiten sind hart. Sogar für Rabbiner. Für einige gibt es mehr Hoffnung als für andere. Aber niemand ist sicher, nicht mehr. Nicht im Staatsbetrieb, nicht in den Banken. In einer ‘Pleitekultur’ verliert man schnell die Selbstachtung, ist bereit, fast jedes Angebot anzunehmen - längere Arbeitszeit, weniger Lohn, schwerere Arbeit - aber zumindest Etwas. Die Zeiten waren immer hart. Das ist das große Geheimnis. Unsere Eltern und Großeltern und Urgroßeltern mussten sich auch durchsetzen in schwierigen Zeiten. Ob wir diesen Perioden Namen geben wie ‘Inflationszeit’ oder ‘Wirtschaftskrise’ oder ‘Krieg’ - ‚Emigration’ oder ‚Landflucht’ - sie mussten neue Jobs lernen, die ihre eigenen Eltern nie gemacht hätten – im Kohlebergbau, in den Stahlwerken, in den großen Textilfabriken, wie auch immer. Sie kämpften gegen Krankheiten, schlechte Luft, teure Lebensmittel und sie hatten nur eines im Überfluss: ihre Kinder... Also, die Zeiten waren immer hart und werden – wahrscheinlich - immer hart bleiben. Es wird immer einige geben, die es nicht schaffen, reich zu werden oder reich genug zu bleiben. Die große Frage bleibt - wie geht man mit solchen Menschen um? Wie soll eine Gesellschaft sich auf solche Probleme vorbereiten, wie und womit soll sie sich ausrüsten, wie soll das alles bezahlt werden? Welche Gesetze sind nötig, um die Armen und Schwachen vor Missbrauch zu schützen? Wie weit darf man, kann man intervenieren, wie weit soll ‘der Markt’ entscheiden? In Vers 42 sagt Gott: “Denn meine Knechte sind sie, die ich aus dem Lande Ägypten geführt habe; sie dürfen nicht wie Sklaven verkauft werden.....” Also, die Fragen sind nicht neu, die Antworten auch nicht. Man muss nur lernen, zu lesen, zu denken, zu fühlen...... Wir reden nicht von “Den Armen”, sondern von “armen Menschen”. Das Substantiv ist hier wichtiger als das Adjektiv. Mehr muss ich nicht sagen. Schalom! Wiederverwendung mit freundlicher Genehmigung des rbb. Der Beitrag wurde dort am 15.5.2009 gesendet. 15.05.2026 Artikelarchiv >> Rabbiner & Rabbinerinnen Strömungen Positionen Bet Din Publikationen Links Impressum Home © Allgemeine Rabbinerkonferenz