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Humanistisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Putin hat Angst vor Pappfiguren

ohne Namen · Giordano-Bruno-Stiftung – Meldungen · 2026-04-02 · Mastershausen · Quelle

Gerechtigkeit · Hauptbotschaft Gemeinschaft · tragend Wahrhaftigkeit · tragend

Das russische Regime verfolgt und kriminalisiert Kunst und Satire, die es kritisiert, und zeigt damit seine Angst vor freier Meinungsäußerung, die nun auch über die Staatsgrenzen hinausreicht.

Jeder kann nun deutlich sehen, dass das russische Regime tatsächlich Angst vor närrischen Pappfiguren hat. Dank euch, Ihr Staatsanwälte und Ankläger des berüchtigten russischen Basmanny-Gerichts, kann jeder sehen, wie viel Furcht Ihr vor Kritik und Satire habt, wie klein und wie peinlich unsouverän ihr seid.

Der Text berichtet über ein russisches Abwesenheitsurteil gegen den Düsseldorfer Bildhauer und Karnevalswagenbauer Jacques Tilly, der wegen Verletzung religiöser Gefühle und Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Die Vorwürfe beziehen sich auf satirische Karnevalswagen, die Putin und Patriarch Kirill auf spöttische Weise darstellten. Tilly wurde nicht offiziell informiert, die deutsche Botschaft verurteilte das Urteil als Angriff auf Kunstfreiheit und Satire. Politische Vertreter aus NRW sowie ein Solidaritätspreis der Tonhalle zeigten Unterstützung. Tilly selbst bezeichnete das Verfahren als Farce und Schauprozess, betonte, dass Einschüchterung bei ihm nicht funktionieren werde, und kündigte an, seine satirische Arbeit fortzusetzen. Er plane, im EU-Raum zu bleiben, und sprach mit dem Verfassungsschutz über seine Sicherheit. Der Text rahmt das Urteil als Beleg für die Kriminalisierung freier Meinungsäußerung durch die russische Regierung, die nun auch ins Ausland reiche.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Bedrängnis der eigenen Gemeinschaft von außen; Ausbeutung, Unterdrückung, ungleiche Verhältnisse
Wo sitzt das Übel?
in Wirtschaft, Politik, gesellschaftlichen Strukturen
Was hilft dagegen?
Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit; praktisches Handeln am Nächsten, Werke
Was ist der Mensch nach diesem Text?
selbstbestimmt, Urheber seines Handelns
Wohin geht die Geschichte?
es wird schlechter, eine Ordnung geht zu Ende
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf eigenes Erleben, Zeugnis, Begegnung; auf Argument, Logik, Wissenschaft
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf andere, die Gesellschaft, andere Gruppen

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
2 von 3, benannt: russische Justiz und Regierung
Zeitbezug
früher 1, jetzt 3, künftig 2

Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Ein Moskauer Gericht hat den Düsseldorfer Bildhauer und Karnevalswagenbauer Jacques Tilly (Mitglied des gbs-Beirats) in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Doch der zeigt sich von dem Urteil unbeeindruckt: »Einschüchterung wird bei mir nicht funktionieren, dann hätten sie ja ihr Ziel erreicht.« Tilly habe sich der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig gemacht, so das Gericht. Gemeint sind die in den vergangenen Jahren von Tilly und seinem Team gebauten Karnevalswagen, die auch immer wieder Russlands Präsidenten Wladimir Putin scharf aufs Korn nahmen. So die Großplastik, die Putin beim Blutbad in einer blau-gelben ukrainischen Badewanne zeigt. Oder der Wagen, der Putin und Patriarch Kirill beim Oralverkehr zeigt. Tilly war nicht offiziell von der russischen Justiz über das Verfahren informiert worden. Zu einer Pflichtverteidigerin, die am Donnerstag erfolglos einen Antrag auf Freispruch gestellt hatte, hatte er keinen Kontakt. Diplomaten der deutschen Botschaft in Moskau informierten ihn aber laufend über den seit mehreren Monaten laufenden Prozess. Der deutsche Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff, sagte nach dem Urteil gegenüber der Deutschen Presseagentur: »Die Verurteilung von Jacques Tilly zeigt, dass Kriminalisierung und Verfolgung freier Meinungsäußerung durch die russische Regierung unvermindert weitergehen - aber jetzt auch verstärkt im Ausland. Das betrifft uns direkt.« Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland verurteile »dieses absurde Schauspiel in aller Schärfe und wird weiter für freie Meinungsäußerung, Kunstfreiheit und damit auch die Freiheit der Satire eintreten«. Im Laufe des mehrmonatigen Prozesses hatte Tilly viel Solidarität erfahren, unter anderem von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), dessen Stellvertreterin Mona Neubaur (Grüne) und dem Chef der NRW-Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU). Aber auch SPD-Politiker stärkten dem Künstler den Rücken. Am vergangenen Sonntag war Jacques Tilly noch vom »Freundeskreis der Düsseldorfer Tonhalle« mit einem Solidaritätspreis geehrt worden. In seiner Dankesrede hatte er mit Blick auf das bevorstehende Ende des Prozesses gesagt: »Jeder kann nun deutlich sehen, dass das russische Regime tatsächlich Angst vor närrischen Pappfiguren hat. Dank euch, Ihr Staatsanwälte und Ankläger des berüchtigten russischen Basmanny-Gerichts, kann jeder sehen, wie viel Furcht Ihr vor Kritik und Satire habt, wie klein und wie peinlich unsouverän ihr seid.« In einem Interview mit dem TV-Sender Phoenix am Donnerstag, dem Tag des Urteils, sprach Tilly von einer Farce, von einem Schauprozess, den er nicht ernst nehme. »Meine Aufgabe als Karnevalswagenbauer ist es, einmal im Jahr den Autoritäten in die Suppe zu spucken, das werde ich weiter machen. Einschüchterung wird bei mir nicht funktionieren, dann hätten sie ja ihr Ziel erreicht.« Putin in Zukunft von seiner satirischen Arbeit auszunehmen, könne er sich nicht leisten, »das wäre ein ziemlicher Gesichtsverlust«. Angesichts des nach dem Urteil bestehenden Risikos, dass er bei einer Reise in andere Länder an Russland ausgeliefert werden könne, sagte Tilly dem TV-Sender, er werde im EU-Raum bleiben, da fühle er sich sicher. Ungarn wolle er freilich meiden, das sei eine Grauzone. Und wie sicher fühlt er sich in Deutschland? Er rede mit dem Verfassungsschutz, mit dem Staatsschutz, »da fühle ich mich gut aufgehoben und einigermaßen sicher hier.« Er könne halt nur hoffen, dass die Lage nicht eskaliert. Auf die Frage, ob er Schutz bekomme, sagte er: »Kommunizierte Sicherheit ist keine Sicherheit, darum redet man nicht darüber.« Er könne das Urteil nicht akzeptieren, eben nur hinnehmen, in dem Sinne, dass er keinen Handlungsspielraum habe. »Russland ist kein Rechtsstaat, das Urteil ist eine Farce, ich bin auch kein Feind des russischen Staates, das ist alles paranoider Quatsch.« Das Urteil, so schließt er mit Blick auf das ihm von dem Gericht auferlegte Arbeitsverbot, sei sogar eine kleine zusätzliche Motivation für ihn, seine Arbeit umso beschwingter fortzusetzen. »Weil man sieht, meine Arbeit wirkt.« Leicht veränderte Übernahme eines Beitrags von Peter Kurz auf dem Portal des »Humanistischen Pressedienstes« (hpd). Ein ausführliches Interview mit Jacques Tilly und seiner Frau, der Filmemacherin Ricarda Hinz, findet sich in der Ausgabe 2024 des »bruno.«-Jahresmagazins (S.16-23)