omnist.world

English

Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Sonntag, 06. September 2026 (23. Sonntag im Jahreskreis A) Kath. Kirchengemeinde Freiburg i. Br. – Pfarrer Siegfried Huber

ohne Namen · Kath. Kirchengemeinde Freiburg Suedwest – Sonntagspredigt · 2026-09-11 · Freiburg · Quelle

Gemeinschaft · Hauptbotschaft Verantwortung · tragend Wahrhaftigkeit

Kritik und das Einfordern von Regeln sind biblisch geboten, aber nur dann legitim und heilsam, wenn sie aus Liebe geschehen und darauf abzielen, den anderen auf einen guten Weg zurückzubringen, statt aus egoistischem Nörgeln.

Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.

Die Predigt nimmt das kulturelle Klischee vom deutschen Nörgeln als Ausgangspunkt und verknüpft es mit den biblischen Lesetexten des 23. Sonntags im Jahreskreis A. Sie interpretiert die prophetische Wächterrolle des Ezechiel und Jesu Eskalationsmodell der Zurechtweisung als Grundlage für eine gegenseitige Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft. Paulus' Brief an die Römer wird herangezogen, um die Liebe als das entscheidende Kriterium und die innere Haltung für jede Kritik zu definieren. Der Text unterscheidet zwischen konstruktiver, liebevoller Kritik und egoistischem Gezeter aus Frust oder Langeweile. Es wird davor gewarnt, Regeln nur um ihrer selbst willen durchzusetzen, ohne den Blick auf das gelingende Zusammenleben zu behalten. Die Predigt ruft dazu auf, die eigene Motivation zu prüfen und Kritik so zu üben, dass sie anderen hilft, auf einen guten Weg zurückzukehren. Ziel ist eine Verschiebung weg vom destruktiven Nörgeln hin zu einer hilfreichen, gemeinschaftsstiftenden Praxis.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Sünde, persönliches Versagen, Schuld vor Gott
Wo sitzt das Übel?
im Herzen, im Willen, in der Seele des Einzelnen
Was hilft dagegen?
praktisches Handeln am Nächsten, Werke; Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit
Was ist der Mensch nach diesem Text?
von Gott gewollt, mit Aufgabe und Verantwortung
Wohin geht die Geschichte?
es wird besser, Entwicklung zum Guten (erschlossen)
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf die heilige Schrift der eigenen Tradition
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
jedem Menschen, ohne Ansehen des Glaubens
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
ausdrücklich auf beide

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Ez 33,7-9 · Mt 18,15-20 · Röm 13,8-10

Gemessen

Grundhaltung
1 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
4 von 5
Konkretheit
3 von 3
Abgrenzung
1 von 3
Zeitbezug
früher 2, jetzt 3, künftig 1

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Sonntag, 06. September 2026 (23. Sonntag im Jahreskreis A) Kath. Kirchengemeinde Freiburg i. Br. – Pfarrer Siegfried Huber Predigt Es gilt als herausragende deutsche Eigenschaft, immer etwas zu nörgeln zu haben. Da gibt es ungezählte Nachbarn, die sämtliche Bauvorschriften kennen und bei geringsten Abweichungen Klage erheben. Schließlich gibt es Regeln, und die sind einzuhalten. Wer zur Urlaubszeit in anderen Ländern unterwegs ist, erlebt zuweilen eine großzügige Interpretation von Verkehrsregeln, die in unserem Land undenkbar wäre. Man hat schon viel gerätselt und geforscht, woher diese kulturelle Spezialität kommen mag. Die eine schlüssige Erklärung gibt es nicht dazu. Unter Umständen könnte man sich aber auf die biblischen Texte dieses Sonntags berufen: Ezechiel erklärt seine Wächterrolle, die ihm als Prophet zukommt. Von Gott hat er den Auftrag, die Menschen zu ermahnen, wo sie sich auf Abwege begeben haben. An den Zurechtgewiesenen selbst liegt es dann, das Prophetenwort zu hören und sich daran zu halten. (Ezechiel 33,7-9). Und es klingt hindurch, dass die Rolle des Ermahners nicht nur beim Propheten liegen muss, sondern dass so etwas wie gegenseitige Verantwortung besteht: Dass Menschen füreinander sorgen, in dem sie aufeinander achten und eben auf Abwege hinweisen. Bei Jesus wird das überaus deutlich, wenn er sein Eskalationsmodell beschreibt: Er sagt: „Wenn dein Bruder sündigt, dann weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er nicht auf dich, dann nimm zwei Zeugen hinzu. Hört er wieder nicht auf dich, dann trage die Sache in de Gemeindeversammlung.“ (Matthäus 18,15-20). Hier geht es tatsächlich nicht darum, dass jemand mir selber etwas angetan haben müsste, sondern darum, dass jemand eine Sünde begangen hat. Das meint eine Verfehlung gegen Gottes Gebote – und diese Gebote versteht die Bibel nicht als Schikane, sondern als Leitplanken für ein gelingendes Zusammenleben von Menschen. Nun könnte man also daraus ableiten, dass jeder Mensch – und nicht nur die Deutschen – das Recht hat, andere zu kritisieren. Sogar biblisch begründet! Hilfreich ist, den dritten biblischen Text dieses Sonntags noch zu berücksichtigen. Im Brief an die frühchristliche Gemeinde in Rom greift Paulus auf die Zehn Gebote zurück. Die Verbote von Ehebruch, Mord, Diebstahl und all die anderen Gebote seien zusammengefasst in dem einen Satz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Und weiter schreibt Paulus: „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.“ (Römer 13,8-10). Damit liefert Paulus die innere Haltung zu allen gut oder auch nicht gut gemeinten Ratschlägen und Zurechtweisungen: Es soll aus Liebe geschehen. Wie ist das nun im Alltag mit den baurechtlichen Nachbarschaftsklagen, mit dem Gezeter im Straßenverkehr, mit dem Genörgel hier und da? Wo geschieht es aus Liebe? Wo geschieht es aus Frust, aus Langeweile, aus chronisch schlechter Laune heraus? Das sollte der Beurteilungsmaßstab sein, wenn uns irgendwo die Hutschnur hochgeht. Poche ich auf die Einhaltung von Regeln, nur weil es eben Regeln sind? Oder kann ich es mit dem Blick der Liebe betrachten und mich dann fragen, welche Reaktion angemessen ist? Die heutigen biblischen Texte laden nicht zu einer Alles-Wurst-egal-Mentalität ein. Sie nehmen Kritik durchaus ernst, und die Kritik soll nach klaren Regeln verlaufen. Kritik dient dazu, anderen die Chance zu geben, auf einen guten Weg zurückzukehren – oft fehlt es ja gerade an dieser konstruktiven Kritik, wenn alle das Problem sehen und niemand es anpacken will. Aber Kritik nur um der Kritik willen wird hier begrenzt und mit neuen Maßstäben versehen. So kann es sein, dass – nähme man diese Texte ernst – der bundesdeutsche Durchschnitt der Kritik sich verändert: weg vom egoistischen Nörgeln und hin zu einer hilfreichen und konstruktiven Kritik, die anderen neue und bessere Wege zeigen kann. Prüfen wir uns beim nächsten Mal selber.