Die entscheidenden Qualifikationen für Gemeindelleiter sind nicht äußere Fähigkeiten oder Erfolge, sondern charakterliche Eigenschaften des Herzens, die Gott erkennt und die Jesus an seinen Jüngern vorbildlich entwickelte.
Der Text ist eine Predigt über biblische Grundlagen der Leiterschaft in einer christlichen Gemeinde. Der Sprecher nutzt anstehende politische Wahlen als Einstieg, um dann auf die Wahl von Gemeindelleitern im November der eigenen Gemeinde zu verweisen. Er analysiert, wie Jesus seine Jünger auswählte: sorgfältig, über längere Zeit, mit Blick auf das Herz statt auf äußere Merkmale. Die Aufgaben der Leiter werden als Hirtendienst beschrieben: Hegen, Pflegen, Behüten, Ermahnen, Ermutigen und Lenken. Paulus' Qualifikationen für Leiter werden als vor allem charakterlich-moralisch eingeordnet. Der Text endet mit einer Diskussion des umstrittenen Verses über die Eheschließung des Leiters, wobei mehrere Auslegungsmöglichkeiten vorgestellt werden.
1 Sam 16,7 · 1 Petr 5,2 · Apg 20,28 · Hebr 13,17 · 1 Tim 5,17 · Eph 4,11-12 · 1 Tim 3,2
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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Und wir starten jetzt in die biblischen Grundlagen für die Leitenschaft in der Gemeinde. Viele von euch wissen wahrscheinlich, dass im Herbst einige wichtige Wahlen hier anstehen. Die Landtage in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern werden neu gewählt, ebenso wie das Abgeordnetenhaus in Berlin. Aber nicht nur bei uns in Deutschland wird in diesem Herbst gewählt. Auch in Israel, in Brasilien und in Russland gibt es Parlamentswahlen. Und in den USA stehen der Senat und das Repräsentantenhaus am 3. November zur Wahl. Wählen zu dürfen ist ein echtes Privileg, dass es in vielen Ländern dieser Welt leider überhaupt nicht gibt. Wählen zu gehen ist daher auch eine Pflicht für uns, der wir uns nicht entziehen sollten. Selbst wenn wir uns nicht sicher sind, was die beste Wahl wäre, sollten wir trotzdem zur Wahl gehen. Denn mit unserer Stimme wären wir dann wenigstens den Kräften, die wir überhaupt nicht an der Macht sehen wollen. Und nun hofft ihr vielleicht auch noch, dass ich euch noch ein Partei empfehle, die ihr vielleicht wählen könnt bei der nächsten Wahl hier. Aber das wird nicht passieren, denn ich bin überzeugt, dass es die christliche Partei überhaupt nicht gibt. Stattdessen möchte ich euch heute gerne für eine andere Wahl begeistern, denn auch da wird deine Stimme dringend benötigt. Wir werden im November auf unserer Gemeindever sammlung ein Teil unserer Gemeindelleitung neu wählen und du kannst ab heute dazu Vorschläge machen. Jedes Gemeindemitglied kann sich nach dem Gottesdienst im VJ bei mir einen Stimmzettel abholen und dort kannst du zwei Vorschläge eintragen mit zwei Leuten, die du gerne ab Herbst im ältesten Kreis sehen möchtest. Und die zwei Personen, die dann die meisten Stimmen erhalten werden bei dieser Vorschlagswahl und die auch bereit sind, die Berufung anzunehmen, die stehen dann im November zur Wahl. Doch wen wirst du vorschlagen? Einige haben mich schon ein bisschen gefragt, ja, so vielleicht eine Idee, wenn man da wählen kann und was für Kriterien soll ich denn da überhaupt bedenken? Dann habe ich gedacht, gut, dann werden wir uns damit mal in einer Predigt beschäftigen und deswegen möchte ich euch gerne ein paar Tipps dazu geben, ohne Namen zu nennen. Gucken wir uns zuerst einmal an, wie Jesusleiter ausgewählt hat. Wenn wir in die Bibel hineinschauen, dann stellen wir fest, dass Jesus viel Zeit darauf verwendet hat, Leiter für seine Gemeinden auszuwählen und auch auszubilden. Er wusste, dass er zuverlässige Zeugen brauchen würde, die sein Sterben und Aufwärtsstehen überall in die Welt bringen würden. So arbeitete Jesus hart daran, dass die, die zum Glauben kamen, in einer gut geführten Gemeinde ein Zuhause, eine Heimat für ihren Glauben finden würden. Sorgfältig wählte Jesus die Jünger aus, die er für diese Aufgabe geeignet hielt. Er beobachtete sie lange, bevor er sie schließlich von Hand verließ. Und er betete intensiv, bevor er sie in die Verantwortung hochstellte. Dabei fällt auf, dass Jesus zwölf Männer wählte, die alle aus dem gleichen kulturellen Hintergrund kamen wie er. So hatten sie eine erste gemeinsame Basis, auf der sie zusammenarbeiten konnten. Jesus suchte auch einfache Menschen aus, die aber ein breites Spektrum unterschiedlicher Persönlichkeiten abbildeten. Er vereinte dominante, initiative, gewissenhafte, unstetige Leute in seinem Team. Es kam Jesus nicht so sehr darauf an, was die Einzelnen schon alles konnten. Jesus sah, was sie durch ihn werden konnten. So wählte Jesus Männer, die zum Teil untereinander befreundet oder sogar verwandt waren. Und auch wenn das nicht das wichtigste Kriterium ist, wissen wir es in unserer Gemeindelleitung auch zu schätzen, dass wir uns gut verstehen und Freunde sind. Oberflächlich betrachtet ist das erst mal alles, was an Jesus und seinem Wahlverhalten auffällt. Aber wir sollten uns nicht von diesen Äußerlichkeiten blenden lassen, wie Samuel es tat, als er den König von Israel berufen sollte. Es ist leicht, sich durch äußere Faktoren beeindrucken zu lassen. Darum sagt Gott, ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an. Der Herr sieht das Herz des Leiters. Ja, vielleicht knüpft einer schnell Beziehung. Ein anderer ist ein guter Redner, hat einen großen Universitätsabschluss, sieht gut aus, kann auf besondere Erfahrungen verweisen. Und wir sagen, das ist der Mann. Doch Gott sagt wie bei Samuel, ihn habe ich nicht erwählt. Und wir fragen, wie kommt das? Und wir müssen feststellen, dass die wirklich unerlässlichen Qualifikationen für einen Leiter alles Merkmale des Herzens sind. Gott sucht Männer und Frauen nach seinem Herzen aus. Die Jünger, die Jesus auswählte, waren Gotteswürchtig. Sie waren leidenschaftlich bei der Sache. Sie standen voll und ganz zur Verfügung. Sie liebten die Wahrheit und lernten gerne von Jesus. Ja, sie waren bereit, sich aufzuopfern. Sie ordneten sich unter. Es gab für sie nichts Wichtigeres, als Jesus nachzufolgen, ihn zu lieben und ihm zu dienen. Es waren Männer nach dem Herzen Gottes. Das ist das Rohmaterial aus dem Jesus sich seine Leiter formt, damals wie heute. Durch diese Eigenschaften wurden aus den Jüngern die Apostel. Und die Apostel suchten sich ihrerseits nach diesen Kriterien Männer und Frauen, die sie zu ältesten Vorsteher und Bischöfen der einzelnen Ortsgemeinden machten. Denn diese drei Gruppen, älteste Vorsteher und Bischöfe, begegnen uns im neuen Testament. Dabei dreht es sich immer um die gleiche Aufgabe. Es sind Männer und Frauen, die die Gemeinde leiten. Älteste nannte man die Leiter im Judentum, egal wie alt sie waren. Vorsteher hießen die Leiter im griechischsprachigen Raum. Und Bischof hießen die Leiter zu der Zeit, als Martin Luther die Bibel übersetzte. Und so ist dieser Begriff in die Bibel gekommen. Kommen wir zu einem zweiten Thema. Was soll denn der Leiter jetzt alles können und leisten? Was sind die Aufgaben? Petrus bringt das auf den Punkt, wenn er die Aufgabe all dieser Leiter mit den Worten beschreibt, weidet die Herde Gottes. Und Paulus drückt das in seiner Abschiedsrede an die ältesten in Ephesus sogar noch ein bisschen ausführlicher aus. Habt acht auf euch selbst, die ganze Herde, in der euch der heilige Geist gesetzt hat, zu Bischöfen, zu weiden, die Gemeinde Gottes. Zu diesem Weiden gehört, wer ein guter Hirte, die Gemeindeglieder zu hegen und zu pflegen, sie zu behüten und zu versorgen, aber sehr auch sie zu ermahnen, zu ermutigen und zu lenken. Und dass das für beide Seiten keine leichte Aufgabe ist, klingt in Hebräer 13 vers 17 an. Die Gemeindeleiter wachen über eure Seelen als die, die da Rechenschaft dafür abgeben sollen. Darum gehorcht ihnen, damit sie ihren Dienst mit Freude tun können, anstatt mit Seufzen und Stöhnen. Denn das würde für euch böse Folgen haben. Nach erstes Etimotheus 5 vers 17 soll die Gemeinde daher die Mitglieder des Seidungskreises, die wohl vorstehen, doppelter Ehre werthalten, besonders die im Wort und in der Lehre arbeiten. An dieser Stelle deutet sich offensichtlich an, dass nicht alle Mitglieder des Leitungskreises die gleiche Aufgabe haben. Nicht alle haben verkündigt und gelehrt, nicht alle konnten gut organisieren, nicht alle konnten seelsorgerlich helfen, denn die Leiter der Gemeinde sind unterschiedlich begabt. Das war auch schon bei den Jüngern von Jesus so. Und es wird von Paulus im EFESA-Brief schließlich mit dem fünffältigen Dienst erklärt. Er schreibt, dass folgende Begabungen in einem ältesten Kreis nicht fehlen sollten. Jesus hat die einen zu Aposteln gemacht, andere zu Propheten, andere zu Evangelisten, wieder andere zu Hirten und Lehrern der Gemeinde. Deren Aufgabe ist es, die Glaubenden zum Dienst bereit zu machen, damit die Gemeinde, nämlich der Leib von Christus, aufgebaut wird. Natürlich sollte die Gabe zu Predigungen in einem ältesten Kreis nicht fehlen. Aber wir müssen das ganz sicher nicht für alle Ältesten voraussetzen. Manche Älteste haben dafür viel mehr den Einzelnen in der Gemeinde im Blick und kümmern sich wie ein Hirte großartig, um die Leute, die in Not sind und denen geholfen werden muss. Andere im ältesten Kreis vergessen nie den Auftrag der Gemeinde Menschen für Jesus zu gewinnen. Sie haben ein evangelistisches Herz und Brennen für Jesus. Wieder andere im ältesten Kreis können durch den Heiligen Geist die Situation der Gemeinde einschätzen. Und sie wissen, wie die Propheten im Alten Testament, was als Nächstes dran und wichtig ist. Und zuletzt beruft Jesus auch noch Apostel in den ältesten Kreis. Das sind Leute, die eine besondere Leitungsbegabung haben und Strategie gestenken können. Unsere Gemeindesatzung spiegelt das übrigens wieder, wenn es dort heißt, die Gemeindelleitung hat die Gemeinde geistlich zu führen, seelsorgerlich zu betreuen und organisatorisch zu leiten. Drei wichtige Sachen. In der Praxis sieht das so aus, dass die Gemeindelleitung für euch intensiv betet. Dass manche von uns euch nachgehen, manche von uns euch helfen, wenn ihr Probleme habt. Als ältesten Kreis erarbeiten wir aber auch Zielvorgaben für die Gemeinde, belegen theologische Leitlinien fest. Wir kümmern uns darum, dass die Rahmenbedingungen für die Arbeit in der Gemeinde stimmen und hier möglichst viele Menschen eine Heimat finden. So kommen wir zu drittens, den Voraussetzungen für die Leitenschaft. Denn schließlich sollt ihr ja Vorschläge machen und deswegen schreibt Paulus in der Bibel uns auch darüber einiges. Und wenn wir uns nun dem ersten Timotiosbrief zuwenden, dann ist das interessant, dass Paulus nicht nur Kompetenzen und Führungsqualitäten darstellt, er legt seinen Schwerpunkt vor allem auf Charaktereigenschaften des Leiters. Darum, ich habe die Sachen jetzt ein bisschen sortiert, schauen wir mal auf die moraschen Qualifikationen, die Paulus nennt. Er schreibt, ein Leiter soll ohne Tadel sein. Und der griechische Begriff bezeichnet an dieser Stelle tatsächlich eine Person, an der es nichts auszusetzen gibt, gar nichts. Natürlich ist niemand vollkommen, das ist auch nicht angestrebt, aber der Leiter darf sich in seiner Lebensführung, als auch in seiner Amtsführung in der Gemeinde, keine groben Verfehlungen zu Schulden kommen lassen. In der Gemeinde, im Beruf, im Verein, in der Nachbarschaft, überall soll der Leiter der Gemeinde einen guten Eindruck hinterlassen und einen guten Ruf haben. Dabei weiß Paulus sehr wohl, dass böse Zungen an jedem etwas auszusetzen haben, ganz egal, wie tadellos er auch sein mag. Was musste sich Paulus nicht alles von den Korintern anhören? Paulus, du bist kein guter Redner, wir wollen dich nicht mehr. Wir sprechen viel besser als du in Sprachen, was hast du uns eigentlich zu sagen? Halten wir fest, Verleumdung und üble Nachrede machen vor niemandem Halt, der in der Verantwortung steht. Aber objektiv betrachtet, muss ein Leiter der Gemeinde unbescholten sein. Die zweite Qualifikation im moralischen Bereich lautet, der Leiter soll Mann einer Frau sein. Gerade über diesen Vers ist viel gestritten worden. Fünf Möglichkeiten stelle ich euch kurz dar. Die erste, der Leiter muss verheiratet sein. Da steht bewusst ein Fragezeichen dahinter. Denn ich halte das für völlig abwegig. Im Text liegt die Betonung nicht auf Frau oder Muss, sondern auf Eins. Dort steht im Griechischen ein Zahlwort und nicht wie im Deutschen ein unbestimmter Artikel. Deswegen habt ihr euch vielleicht gewundert, warum da diese Eins ist. Also die Eins, die Zahl wird betont. Außerdem waren weder Paulus noch Timothios, deren Briefwechsel das hier ist, verheiratet. Wie können sie als unverheiratete Leiter dann fordern, dass alle Leiter von Gemeinden verheiratet sein sollen? Da stimmt doch was nicht. Die zweite Möglichkeit, und das wäre die leichteste, den Text zu verstehen, ist das Verbot der Meerehe. Da seht ihr, da steht kein Fragezeichen dahinter. Das macht wirklich Sinn. Allerdings gab es zu der Zeit, als dieser Brief geschrieben wurde, sowieso kaum noch jemand, der mit mehr als einer Frau verheiratet war. Das war im griechischen Kontext damals überhaupt nicht mehr üblich. Und ganz ehrlich, wie soll man das auch schaffen mit zwei Frauen? Da ich der Meinung bin, dass die Bibel immer etwas zu sagen hatte in die spezielle Situationen, in der sie geschrieben wurde und auch in unserer heutige, möchte ich diese Interpretation nicht weiterverfolgen. Wenn du dabei stehen bleiben willst, ist das völlig okay, aber mir ist das zu wenig. Darum kommen wir zur dritten Möglichkeit, dass Paulus ausschließen wollte, dass der Leiter einer Gemeinde wieder verheiratet ist. Die Frage, ob Christen noch einmal heiraten dürfen, nachdem sie geschieden worden sind, wird in den Gemeinden ja sehr unterschiedlich beantwortet. Dabei ist es aber gerade Paulus, der darüber an anderer Stelle sehr wohl wollen schreibt. Er spricht die frei, deren Ehe scheiterte, weil nur einer von beiden zum Glauben gekommen war und die Spannungen, die dadurch entstanden sind, so gravierend waren, dass eine Trennung besser war, als zusammen zu bleiben. Er spricht sie frei. Am ehesten richtet mir aber die vierte Möglichkeit ein, die besagt, dass der Mann seiner Frau die Treue halten soll und die beiden eine vorbildliche Ehe führen sollen. Nur ein paar Verse weiter, im ersten Demoteus 3 ergänzt Paulus nämlich diesen Text durch ein paar andere Worte. Unter anderem schreibt er, die Diakone sollen Mann einer einzigen Frau sein und ihren Kindern und ihrem eigenen Haus gut vorstehen. Ich finde, das erklärt das etwas besser. Und in einer damaligen Gesellschaft, wo ein Trausschein noch weit weniger wert war als in unserer heutigen, scheinen mir diese Betonung die Richtige zu sein. Die Leiter der Gemeinde erkennt man daran, dass sie auch in ihrer Ehe und Familie gute Leiter sind. Und wie wir den Korinterbriefen entnehmen können, war das für viele Griechen überhaupt nicht so selbstverständlich. Sie pflegten zum Beispiel neben ihrer Ehe durchaus üblicherweise Kontakt zu Tempel prostituierten. Das machten damals ja alle. Es war ihnen nicht bewusst, dass es dabei nicht nur um Sex ging. Aus Gottes Perspektive wurden die beiden eins, also der Leiter und die Prostituierte, wenn sie sich körperlich und seelisch miteinander verbanden. Und Paulus sagt dazu, dass die Korinter wohl vergessen haben, dass ihre Körper ein Tempel des Heiligen Geistes sind. Das passt doch nicht zusammen. Paulus macht also sowohl in den Korinterbriefen als auch hierbei Timotheus klar, dass ein Gemeindeleiter nur mit einer Frau verbunden sein darf und ihr treu sein soll und dass der Gang zur Prostituierten auf jeden Fall nicht dazu passt. Der Leiter soll vielmehr seine Frau achten, die Gott ihm zur Seite gestellt hat. Kommen wir zu fünftens. Muss der Gemeindeleiter ein Mann sein? Manche Schlussfolgern tatsächlich aus diesem Bibel fährst hier, dass jeder Älteste ein Mann sein muss. Und dafür spricht, dass der Text wie viele andere Texte der Bibel tatsächlich nur die Männer erwähnt. In einer von Männern dominierten Kultur ist das auch überaus verständlich und es waren fast alle Gemeindeleiter zu dieser Zeit damals männlich, aber eben auch nur fast alle. Denn schon durch Jesus, die Apostel und auch durch Paulus, sind damals die Türen für den leitenden Dienst von Frauen in den Gemeinden weit geöffnet worden. Jesus berief zwar nur Männer zu seiner Posteln, aber zu seinen engsten Nachfolgern gehört dann auch eine ganze Reihe von Frauen, die in der Bibel namentlich erwähnt werden und nicht nur bei der Auferstehung, wo sie seine ersten Zeugen waren. Die Frauen verkündeten und lehrten das Evangelium unter den Frauen, sodass Jesus von Anfang an auch sehr viele Nachfolgerinnen gewann. Den männlichen Jüngern wäre dieser Dienst schon aus kulturellen Gründen unmöglich gewesen. An vorderster Stelle sind hier Maria Magdalena und auch Maria die Mutter von Jesus zu nennen. Beide wurden zu führenden Persönlichkeiten in der Gemeinde. Weiter erzählt uns die Apostelgeschichte von Priska oder Priscilla, die zusammen mit ihrem Mann die Gemeinden in Korinth, in Ephesus und Rom gründete. Da Priska immer zuerst genannt wird, tut sie diesen missionarischen Dienst in führender Rolle, denn die Regel bei uns, dass Frauen immer zuerst genannt werden, die gab es im griechen Land nicht. Und Priska war es auch, die Apollos im Glauben unterrichtete, der nachher die Gemeinde in Ephesus leitete. In Römer 16, Vers 7 richtet Paulus Grüße an Junior aus, die unter den Aposteln berühmt ist. Viele Jahrhunderte wurde Junior als Aposteln verehrt, wie er auf dieser alten Ikone hier sehen könnte. Sie wurde verehrt, weil sie wie Paulus im Gefängnis für ihren Glauben gelitten hat und ein großes Zeugnis für die Glaubenden damals war. Erst ab dem 13. Jahrhundert wurde aus der Junior in unseren Bibeln ein Juniors, weil man sich nämlich eine Apostelin im Mittelalter überhaupt nicht mehr vorstellen konnte. Außerdem wird in Römer 16 auch noch eine Föbe erwähnt, sie ist Diakonin der Gemeinde in Kenchreha in der Nähe von Korinth. Und so verwundert es nicht, dass Paulus in 1. Timothy 3 auch gezielt die weiblichen Diakone anspricht. Er schreibt in Vers 11, die Frauen sollen erbar sein, nicht verleumdrisch, sondern nüchtern und in allem zuverlässig sein. In den meisten Eurer Bibel steht an dieser Stelle die Frauen der männlichen Diakone, aber im griechischen Text steht das nicht. Da geht es tatsächlich um die weiblichen Diakone. Für mich sind das jedenfalls genug Beispiele, um zu erkennen, dass Frauen genauso gut Älteste sein können wie Männer. Und ich glaube daran, dass Jesus nicht nur gekommen ist, um die Grenzen zwischen Sklaven und Freien aufzuheben oder die Grenzen zwischen Juden und Griechen und anderen Nationen. Paulus sagt, ihr seid doch alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Es hat darum nichts mehr zu sagen, ob ihr Juden oder nicht Juden seid, ob ihr Sklaven seid oder frei, ob ihr Mann oder Frau seid, denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. In der Gemeinde sollen die Grenzen der Welt nicht mehr gelten. Wir sind eins in Jesus und Frauen und Männern stehen die gleichen Möglichkeiten offen. Ich glaube, wir sollen als Gemeinde da schon ein Stück Himmel widerspiegeln, in dem Frauen und Männer wie im Paradies als Partner die Welt gestalteten. Denn dass der Mann über die Frau herrscht, das ist nach der Bibel eine Folge des Sündenfalls. Es war eine Strafe Gottes und nicht eine Grundordnung Gottes. Aber Jesus ist gekommen, um die Folgen der Sünde zu überwinden. Er nahm die Strafe auf sich, damit wir Frieden haben. Wir sind befreite Kinder Gottes und wir dürfen gemeinsam an Gottes Reich bauen. Darum, welchen Dienst wir in unserer Gemeinde tun, richtet sich nicht nach unserem Geschlecht, sondern nach unseren Begabungen, die wir vom Heiligen Geist geschenkt bekommen. Und nach meiner Erfahrung verteilt der Heilige Geist seine Gaben auch nicht nach dem Geschlecht, sondern er schaut auf unseren Herz und auf unseren Charakter. So fährt Paulus in seiner Aufzählung von Qualifikationen für Leiter mit dem Begriff Nüchtern fort. Die Leiter sollen Nüchtern sein. Und wenn wir den ganzen Brief lesen, wird klar, dass es tatsächlich darum geht, dass ein Gemeindeleiter kein Säufer sein darf. Nun denke ich, dass das ja irgendwo auch selbstverständlich ist. Daher wäre es mir zu wenig, wenn wir dieses Kriterium nur auf Alkohol beschränken. Ich meine, dass ein Leiter in jeder Hinsicht weder körperlich noch seelisch abhängig sein darf. Er muss sich selbst beherrschen können, um anderen ein Vorbild zu sein. Und dann darf er auch ruhig mal etwas Alkohol trinken. In meiner alten Gemeinde wurde ein Mann zum ältesten berufen. Der rauchte sehr gerne und viel. Er wollte das Amt auch deswegen gar nicht erst annehmen, erhielt sich nicht dafür geeignet. Ich riehe ihm aber es doch zu tun, weil ich oft das Wutum der Gemeinde vertraute. Und ich sah auch das Potenzial in ihm, dass er wirklich ein guter Leiter werden würde. Und tatsächlich, nachdem er berufen wurde, dauerte es nur wenige Monate, da war er das Rauchen los und war frei und wurde ein sehr guter Älter. Des Weiteren b