In herausfordernden Zeiten wie der aktuellen Trockenheit ist es entscheidend, mit dem Herzen zu sehen, Verantwortung zu übernehmen und durch konkrete Handlungen wie Wassersparen und sorgsame Begegnung mit Mitgeschöpfen dem Leben zu dienen.
Die Pfarrerin beginnt mit der aktuellen Trockenheit in der Schweiz und dem Ausbleiben von Regen, das sie an eine Wüstenlandschaft erinnert. Sie überleitet zu biblischen Wüstenerfahrungen von Mose, Aron, Miriam, Johannes dem Täufer und Jesus. Anschließend stellt sie Antoine de Saint-Exupéry und „Der kleine Prinz“ vor, dessen Geschichte von Freundschaft in der Wüste erzählt. Sie verbindet dies mit dem evangelischen Pfarrer Paul Gerhardt, dessen Lieder das Herz als Kommunikationsorgan zwischen Gott und Mensch thematisieren. Beide Autoren werden durch ihre Erfahrung von Zerstörung und ihren Willen verbunden, Menschen aufzurichten. Die zentrale Botschaft ist, mit dem Herzen zu sehen und Verantwortung zu übernehmen. Der Text schließt mit konkreten Handlungsaufforderungen wie Wassersparen und sorgsamer Begegnung mit Mitgeschöpfen.
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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In den letzten Wochen, liebe Hörerinnen und Hörer, dachte ich manchmal, das kann doch einfach nicht wahr sein. Ich radelte über die Felder zur Arbeit. Die Blätter der Futterrüben lagen schlaff auf dem Acker. Die Kühe auf der Wiese schien kein grünes Gras, sondern das Heu direkt von der Weide zu fressen. Es waren nicht allein die hohen Temperaturen und der heiße Wind, die mich an der Realität zweifeln ließen. Es war der fehlende Regen. Durch sein Ausbleiben führte ich mich wie in eine Wüstenlandschaft versetzt. Gott sei Dank konnte ich zu Hause den Wasserhahn auftrehen. Jedes Mal, wenn ich ein Glas Wasser getrunken habe, führte ich große Dankbarkeit. Ich genoss die Erfrischung und dachte an Menschen, denen dieser Genuss verwehrt bleibt. Wasser ist überlebenswichtig. In den trockenen Wüsten unserer Erde ist es das kostbarste Allergüter. Menschen, die Wüstengebiete bereist haben, erzählten mir beeindruckt von der Schönheit Meter hoher Dünen. Sie schwärmten vom klaren nächtlichen Sternenhimmel und von der Gastfreundschaft der Normaden. Mein Bekannter erschien es wie ein Wunder, nach endloser Stille, sängender Hitze und gluteisem Wind eine Wasserstelle zu erreichen und weder das Rascheln von Blättern, das Plätschern eines Brunnen zu hören. Ich selbst war noch nie in einer Wüste. Ich kenne Wüsten nur aus Reisebeschreibungen und biblischen Geschichten. Unsere Väter und Mütter des Glaubens, Mose, Aron und Miriam wanderten 40 Jahre durch die Wüste. Johannes der Teufa verbrachte viele Lebensjahre und Jesus 40 Tage in der Wüste Judeas. Es heißt, dass ein Aufenthalt in der Wüste Menschen zu neuen Erkenntnissen führen kann. Manchmal verändert eine Wüstenerfahrung das ganze Leben. Für den im Jahr 1900 in Frankreich geborenen Antoine des Saint-Ex-Syperies war die Wüste ein vertraute Ort. Viele Menschen kennen ihn als Autor des Buchs der kleine Prinz. Saint-Ex-Syperie war aber zuerst Berufspilot und viele Monate lang Leiter eines kleinen Flugplatzes in der Sahara. Eine seiner Aufgaben dort war es, in der Wüste abgestürzte Piloten zu retten. Weil er an diesem Ort viel Zeit mit Warten verbringen musste, begann er Bücher zu schreiben. Nach und nach wurde aus dem leidenschaftlichen Piloten auch ein leidenschaftlicher Schriftsteller. Der kleine Prinz ist bei Weitem nicht sein einziges Buch, aber es ist das bekannteste. Seit es im Jahr 1943 erschien, wurde es in mehr als 600 Sprachen übersetzt und steht damit auf dem zweiten Platz aller jemals übersetzten Bücher mit großem Abstand zu Platz 1 der Bibel. Die mehrchenhafte Geschichte vom kleinen Prinzen erzählt von einer Freundschaft, die in der Wüste beginnt. Ein Pilot und so beschreibt es Saint-Ex-Syperie, ein kleines, höchst ungewöhnliches Männchen treffen fernab von jeder bewohnten Gegend in der Sahara zusammen. Der eine ist mit seinem Flugzeug abgestürzt. Der kleine Prinz kommt von einem anderen Planeten auf die Erde. Es dauert Tage, bis sie einen Brunnen finden. Während sie gemeinsam nach Wasser suchen, werden sie miteinander vertraut. Am Ende der Geschichte haben sie sich lieb und sind sehr traurig, als sie sich trennen müssen. Das kleine Kälchen will den Freund zum Abschied trösten und sagt, wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. An diese Worte muss der Pilot nach seiner Rettung und Rückkehr zu seinem Flughafen oft denken. Er blickt zu den Sternen und Weiß, dass tief in seinem Herzen all die Momente ihrer Freundschaft bewahrt sind. Auch das hat er vom kleinen Prinzen gelernt. Es ist wichtig, mit dem Herzen zu sehen, denn das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Dass das Herz mehr als ein Organ ist, das im Laufe eines durchschnittlichen Lebens ungefähr drei Milliarden Mal schlägt, wusste auch der evangelische Pfarrer Paul Gerhardt. Er starb vor 350 Jahren. Für Gerhardt war das Herz das Kommunikationsorgan zwischen Gott und Mensch. Herz ist das Wort, das in seinen Gedichten am häufigsten vorkommt. Laut Gerhardt können wir Gott mit unserem Herzen suchen. Bei dieser Suche sind wir geborgen im unendlich großen Herzen Gottes. Paul Gerhardt lebte zur Zeit des 30-jährigen Krieges, eines Krieges, der im 17. Jahrhundert ganze Landstriche in Europa verwüstet und Millionen Todesopfer gefordert hat. Auch aus seiner Familie sind Menschen in diesem Krieg und an seinen Folgen gestorben. Abschied und Verlust prägten Paul Gerhardts Leben. Seine Texte verschweigen die schweren Prüfungen des Lebens nicht. Geliebt werden seine Lieder trotzdem oder vielleicht gerade deshalb. Seine Texte ermuntern uns dazu, Gottes Liebe zu vertrauen und den Lebensmut niemals zu verlieren. Als ich neulich in unserer Gemeinde nach Lied wünschen für den Gottesdienst fragte, stand ganz oben auf der Wunschliste, dass Paul Gerhardt lied, geh aus mein Herz und suche Freude. Das ist ein Lied, das von vielen Menschen gern gesungen wird, was in ihm für eine Kraft steckt und wie inspirierend Paul Gerhardts Gedichte sein können, hat mein Kollege Philipp Roth vor wenigen Wochen in seiner Radio prädigt erzählt. Die beiden Autoren Paul Gerhardt und Anton Desson-Exupery trennen 300 Jahre Weltgeschichte. Verbunden sind sie durch ihre Erfahrung, dass Kriege, Länder und Leben verwüsten können. Verbunden sind beide Autoren durch ihren Willen, Menschen aufzurichten und auf das Gute hin auszurichten. Mit Anton Desson-Exupery kann ich heute noch in den Sternenhimmel schauen und den kleinen Prinzen lachen hören. Sein Buch ermutigt mich, daran zu glauben, dass Freundschaft und Liebe Trennung und Tod überdauern. Mit Paul Gerhardt hoffe ich darauf, dass es mir immer wieder möglich ist, trotz persönlicher oder gesellschaftlicher Krisen Gottes Freundlichkeit in der Gegenwart des Alltags zu erfahren. In ihren Texten finde ich wieder, was auch in der Bibel geschrieben steht, dass das Herz der Kompass ist, um im Leben Orientierung zu finden. In der Hebräischen Bibel ist das Herz der Sitz der Weisheit. Man erkennt und denkt mit dem Herzen und mit dem Herzen verbindet man sich mit der ewigen göttlichen Liebe. Im fünften Buch Mose heißt es, du sollst Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deiner ganzen Kraft. Mir geht es ans Herz, liebe Hörerinnen und Hörer, wenn ich Pflanzen, Tiere und Menschen unter der großen Trockenheit leiden sehe. Weggucken ist für mich keine Option. In der Wüste kommt es auf jeden Schluck Wasser an. Im Leben kommt es darauf an, dass ich bereit bin, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung und Lebensfreude gehören zusammen. Um den richtigen Weg durch herausfordernde Zeiten zu finden, ist es wichtig, mit dem Herzen zu sehen und auf das Herz zu hören. Im Buch das Sprüche aus der Bibel heißt es dazu, behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben. Anstatt unzählige Male, deprimiert auf den Regenradar meines Handys zu schauen oder nicht wahrhaben zu wollen, was die Trockenheit für die Natur bedeutet, probiere ich mit einfachen Mitteln das Nötige zu tun, Wassersparen, lebensmutig und mit Blick zu den Sternen, mein Mitgeschöpfen und mir selbst mit Sorgfalt und Liebe begegnen. Amen. Das war ein Podcast von SRF produziert im Auftrag der SRG.