Gottvertrauen, das über Jahre im Gebet und in der Treue zur eigenen Überzeugung geübt wird, bewahrt den Menschen davor, der Angst und der Eitelkeit das letzte Wort zu überlassen, auch in Situationen der Bedrängnis.
Die Predigt nimmt die biblische Erzählung von Daniel in der Löwengrube (Daniel 6) als Ausgangspunkt und überträgt das Bild der Löwengrube auf gegenwärtige Situationen, in denen Menschen durch Neid, Eitelkeit und Gruppendruck bedrängt werden. Die Gegner Daniels nutzen die Eitelkeit des Königs, um ein Gesetz durchzusetzen, das Daniels Gebetspraxis verbietet; Daniel bleibt seinem Glauben und seiner Treue gegenüber dem König zugleich treu. Die Predigt betont, dass Gottvertrauen nicht auf Knopfdruck entsteht, sondern über Jahre durch Gebet, Psalmbetung, Stille und biblisches Lesen geübt werden kann. Als Gegenbild zu Eitelkeit und Angst wird Daniels Treue vorgestellt, die ihn vor inneren Abgründen bewahrt. Im Gegenwartsbezug werden Frauenrechtlerinnen im Iran, Menschen in Russland, die sich gegen den Krieg stellen, sowie uigurische Musliminnen und Muslime und christliche Hausgemeinden in China genannt. Die Predigt schließt mit dem Aufruf, in der vergleichsweise sicheren Schweiz aus Vertrauen zu leben, den eigenen Überzeugungen treu zu bleiben und der Angst keinen Raum zu lassen.
Ausgewertet mit qwen3.8-27b, Fassung v3.
Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.
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im Zoo Löwen zu beobachten ist das eine. Aber wer von ihnen, liebe Hörerinnen, lieber Hörer, ist schon einmal in einer Löwengrube gestanden? Im Kolosseum in Rom kann man heute die Gänge besichtigen, durch die einst ausgehungerte Löwen und andere wilde Tiere getrieben wurden. Die Römer hetzten sie auf Gladiatoren, aber auch auf zum Tod verurteilte wehrlose Menschen. Solche Löwengruben sind zum Glück Passé, aber es gibt andere. Mit Löwen, die Anzug oder Cocktailgleit tragen, mit Löwen, die freundlich lächeln und kaum ist man zur Tür hinaus, die Zähne fletschen und sich das Maul zerreißen. Manchmal werden die Ängsten verwandten zu solchen Löwen oder eine Gruppe von Klassenkameraden, die einen fertig machen will. Auch in der biblischen Geschichte von Daniel in der Löwengrube sind nicht die tierischen Löwen die eigentliche Gefahr. Sie steht im 6. Kapitel des Danielbuches. Die Erzählung versetzt uns in die Zeit nach dem Fall Babylon im 6. Jahrhundert von Christus. Daniel ist ein Jude aus der Jerusalemer Oberschicht, der als junger Mann nach Babylon deportiert worden war und dort am Königlichen Hof immer mehr Verantwortung übernommen hatte. Nach dem Ende der Babylonischen Herrschaft bleibt er auch unter dem neuen König, dem Medertarius, in Horstellung. Er arbeitet so gut und zuverlässig, dass der König ihn über das ganze Reich setzen will. Das gefällt seinen Amtskollegen überhaupt nicht. Sie sind neidisch. Sie durchleuchten Daniels Amtsführung und suchen nach etwas, das sie ihm anhängen könnten. Eine Nachlässigkeit, irgendeinen Fehler. Aber sie finden nichts. Also beschließen sie, Daniel dort zu packen, wo er am wenigsten nachgeben wird, bei seinem Glauben. Und sie kennen die Schwachstelle des Königs, seine Eitelkeit. Sie schmeicheln Darius und schlagen ihm ein neues Gesetz vor. 30 Tage lang soll niemand eine Bitte an einen Gott oder Menschen richten dürfen, außer an den Königs selbst. Wer dagegen verstößt, landet in der Löwengrube. Für 30 Tage die höchste Instanz für alle und alles zu sein, wer hört das nicht gern? Darius unterschreibt. Daniel dagegen macht weiter wie bisher. Dreimal am Tag kniet er an seinem offenen Fenster nieder, das nach Jerusalem weist und betet zu Gott. Genau darauf haben seine Gegner gewartet. Sie zeigen ihn an. Nun merkt auch der König, dass er in eine Falle geraten ist. Den ganzen Tag sucht er nach einem Ausweg. Aber sein eigenes Gesetz bindet ihm die Hände. Durch seine Eitelkeit ist er zum Opfer und zum Täter zugleich geworden. Und so landet Daniel in der Löwengrube. Der König verbringt eine schlaflose Nacht, früh am nächsten Morgen eilt er zu Grube und ruft nach Daniel. Und Daniel antwortet. Gott sagte er, habe seinen Engel geschickt und den Löwen das Maul verschlossen. Sie hätten ihm nichts angetan. Darius erkennt, wie sehr er sich hat blenden lassen. Er preist Daniels Gott und sorgt dafür, dass dieser im Amt bleibt. Leider ist der König ja nicht der einzige, dem das passiert. Viele politische und auch private Fehlentscheide werden aufgrund von gekränkter oder geschmeichelter Selbstzucht und Eitelkeit getroffen. Das Böse braucht Komplizen. In ihrem Ego-Gekränkte, in ihrem Selbstvertrauen gestörte Komplizen. Diese Dynamik kann man nicht nur in der Weltpolitik, in Firmen und Schulklassen beobachten, sondern auch bei sich selbst. Zu Gemeinheiten sind wir am ehesten bereit, wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen, wenn unser Selbstbewusstsein angekratzt ist. Daniel wird uns als Gegenbild vorgestellt. Was an ihm zuerst auffällt, ist seine Treue. Er ist auch im fremden Land seinem Gott treu geblieben. Schon zu Beginn der Erzählung hatte er darauf bestanden, auch am Königlichen Hof an den jüdischen Speisegeboten festzuhalten. Und jetzt betete er weiter, obwohl genau dieses Gebet in das Leben kosten kann. Und so, wie er seinem Gott treu bleibt, diente auch dem König treu. Seine Gegner wollen beides gegeneinander ausspielen, aber das ist eine falsche Alternative. Unsere besten und treuesten Freunde sind ja auch nicht die, die behaupten, außer uns niemanden mehr zu brauchen, sich an uns klammern und über alle anderen schlechtreden. Das ist keine Treue, sondern bestenfalls Parteilichkeit, schlimmstenfalls Freinnahmung. Treue heißt auch nicht immer das sagen, was jemand hören will. Wahrhaft treu ist, wer seiner Überzeugung treu bleibt. Ehrlich und fair, auch dann, wenn es unbequem wird. Genau das hätte Darius erkennen können. Daniels treue zu Gott war kein Grund, ihm zu misstrauen. Im Gegenteil, sie war der Grund dafür, dass man sich auch als König auf ihn verlassen konnte. Gott treu zu sein heißt Gott zu vertrauen, ihm das eigene Leben anzuvertrauen, in guten und in schweren Tagen. Dieses Vertrauen fällt manchen Menschen leichter, andere müssen ein Leben lang darum ringen. Und es ist eine viel diskutierte Frage, ob man es wirklich einüben kann oder ob es nicht einfach Geschenk ist. Wer es einüben will, kann versuchen Räume dafür zu schaffen. Morgens oder abends ein paar Minuten still zu werden, einen Psalm beten, auch dann, wenn die eigenen Worte fehlen. Beim Leuten der Kirschenglocken kurz inne zu halten, am Abend zurück zu blicken und sich fragen, wofür bin ich heute dankbar, was möchte ich Gott überlassen? Es kann helfen, biblische Texte zu lesen und zu bedenken, Ferse, die einen besonders ansprechen, auswendig zu lernen. Manche zünden eine Kerze an und denken dabei an Menschen und Werte, die ihnen wichtig sind. Und wieder andere erfahren in der Musik etwas von jener Kraft, die sie selber gerade nicht aufbringen können. Jedenfalls lässt sich Gottvertrauen nicht auf Knopfdruck herstellen, wenn das Stein über der Löwengrube schon geschlossen wird. Daniel befand sich mit seinem Gott längst im Gespräch, in Zeiten des Erfolgs genauso wie in Zeiten der Gefahr. Sein Gottvertrauen hat ihn deshalb nicht nur vor den Löwen gerettet, es hat ihn schon vorher vor anderen Abgründen bewahrt, vor Eitelkeit, über Heblichkeit und Untreue. Und ich bin sicher, dieses Vertrauen hätte Daniel auch getragen, wenn die Löwen ihn angegriffen hätten. Denn er wusste, mein Leben liegt letztlich nicht in der Hand des Königs, nicht in der Hand meiner Feinde und auch nicht in den pranken, hungriger Raubtiere. Es liegt in Gottes Hand. Darum hatte Daniel sicher Angst, als er in die Grube gestoßen wurde. Aber die Angst musste nicht alles bestimmen. Er hatte über Jahre gelernt, sein Leben nicht der Angst zu überlassen. Auch heute gibt es Menschen, die das unter sehr viel härteren Bedingungen tun müssen als wir. Frauenrechtlerinnen im Iran, die trotz Gefängnis und Verfolgung für ihre Rechte und ihre Würde eintreten. Menschen in Russland, die sich gegen den Krieg stellen und dafür Repression und lange Haftstrafen riskieren. Und uigurische Musliminnen und Muslime oder christliche Hausgemeinden in China, deren religiöse Freiheit massiv eingeschränkt wird. Sie alle zeigen auf unterschiedliche Weise, was es heißen kann, der Angst nicht das letzte Wort zu überlassen und den eigenen Überzeugungen treu zu bleiben. Wir leben in der Schweiz vergleichsweise sicher. Gerade deshalb können wir jetzt hier und heute versuchen, aus Vertrauen zu leben, auch für Zeiten, in denen es schwieriger werden wird. Wir können versuchen, unser Leben im Gebet auf Gott auszurichten, unseren Überzeugungen treu zu bleiben, unseren Freunden und den Menschen, für die wir Verantwortung tragen und der Angst keinen Raum lassen. Amen. Das war ein Podcast von SRF produziert im Auftrag der SRG.