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Katholisch · Diese Tradition mit einer anderen vergleichen

Zürcher Wallfahrt nach Einsiedeln

ohne Namen · Bistum Chur – Predigten von Bischof Bonnemain · 2026-07-06 · Chur · Quelle

Gemeinschaft · Hauptbotschaft Dankbarkeit · tragend Demut · tragend

Die Einheit der Kirche besteht nicht in der Gleichförmigkeit, sondern in der geschwisterlichen Freude an der Vielfalt der Frömmigkeitsformen, die durch die gemeinsame Anwesenheit Christi zusammengehalten wird.

In Jesus treffen wir uns alle. In Jesus und mit ihm können wir Freude haben an alten und bewährten Traditionen und auch an neuen Ideen, an all dem, was der Heilige Geist in einer lebendigen Kirche hervorruft.

Der Text ist eine Predigt von Bischof Joseph Maria Bonnemain anlässlich einer Wallfahrt nach Einsiedeln. Er bezieht sich auf das Evangelium, in dem Jünger des Johannes des Täufers mit den Jüngern Jesu konkurrieren, und wendet dies auf die innerkirchliche Situation an. Der Bischof warnt vor Rivalitäten, Neid und Vorurteilen zwischen verschiedenen Frömmigkeitsformen und Traditionen innerhalb der Kirche. Er betont, dass die gemeinsame Anwesenheit Jesu und die Freude am Herrn die Grundlage für Einheit und Geschwisterlichkeit bilden sollen. Statt Schuldige für Schwierigkeiten zu suchen, ruft er dazu auf, das Positive bei anderen anzuerkennen und sich gegenseitig zu bereichern. Die Metaphern der neuen und alten Schläuche sowie der guten und neuen Kleider dienen der Illustration, dass Vielfalt in der Einheit des Glaubens wertvoll ist. Maria wird als gemeinsame Mutter dargestellt, die alle Gläubigen als kostbare Kinder sieht und sich für deren Freude einsetzt.

Weltbild

was das heißt
Was ist nach diesem Text die Wurzel des Übels?
Feindschaft, Hass, Zerfall der Gemeinschaft
Wo sitzt das Übel?
in der eigenen Gemeinde, Familie, Religion
Was hilft dagegen?
Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, Zugehörigkeit; persönliche Erfahrung, Zeugnis, Begegnung mit Gott oder Menschen
Was ist der Mensch nach diesem Text?
vor allem Teil einer Gemeinschaft oder Schöpfung
Wohin geht die Geschichte?
eine Wende, ein Kommen, eine neue Ordnung steht bevor
Worauf stützt der Text seinen Anspruch?
auf den Stifter oder Propheten der Tradition; auf die heilige Schrift der eigenen Tradition
Wem gilt die Zuwendung, die der Text fordert?
den eigenen Glaubensgeschwistern
Wohin richtet sich die Kritik des Textes?
auf die eigene Gemeinschaft und sich selbst

Verwandte Texte aus anderen Traditionen

nach Ähnlichkeit der Auswertung, ein Text je Tradition

Wozu der Text aufruft

Genannte Stellen

Neh 8,10

Gemessen

Grundhaltung
2 von -2 bis 2
Eindringlichkeit
2 von 3
Reichweite
3 von 5
Konkretheit
2 von 3
Abgrenzung
0 von 3
Zeitbezug
früher 1, jetzt 3, künftig 2

Ausgewertet mit qwen/qwen3.8-27b, Fassung v3. Die Maßstäbe sind für alle Traditionen gleich, nachzulesen unter Werte.

Wortlaut anzeigen
Liebe Mitbrüder Liebe Schwestern und Brüder Es freut mich ausserordentlich heute mit euch/mit Ihnen allen, Zürcher Gläubigen, hier bei der Mutter Gottes Eucharistie feiern zu dürfen. Schon letztes Jahr war ich für diesen Wallfahrtsgottesdienst vorgesehen, aber die Weihe des neuen Bischofs von St. Gallen fand an diesem Tag statt. Umso mehr freue ich mich, heute hier zu sein. Im heutigen Evangelium haben wir von einer Situation gehört, die leider unter uns Menschen nicht selten vorkommt. Die Jünger des Johannes des Täufers verglichen sich mit den Jüngern Jesu. Wir spüren eine gewisse Rivalität zwischen den beiden. Indirekt machten die Jünger von Johannes auch Jesus den Vorwurf: Warum duldest du diese Situation? Warum erlaubst du ihnen das? Warum intervenierst du nicht? Warum hast du sie nicht besser erzogen? Ich bin überzeugt: Die Jünger des Johannes hatten die beste Absicht, sie wollten das tun, was Gott gefällt. Die Jünger Jesu hatten bestimmt dieselbe gute Absicht, sie wollten auch das tun, was Gott von ihnen erwartete. In unserer Kirche gibt es verschiedene Traditionen, eine Vielzahl von religiösen Gewohnheiten, von Arten, die Spiritualität, die Frömmigkeit zu pflegen. Dies hängt auch von der Kultur, von der Erziehung, vom Charakter ab. Es sollte deswegen nicht sein, dass dadurch Spannungen, Vergleiche, Rivalitäten, Eifersucht, Neid, Kritik, Vorurteile und Verurteilungen vorkommen. Wir sind alle Christen, die bestrebt sind, Gott zu lieben und Gutes zu tun. Die Erklärung des Herrn gibt uns den Grund, warum wir die Einheit und die Eintracht in einer bunten und vielfältigen Wirklichkeit pflegen können und sollen: «solange der Bräutigam bei ihnen ist» . Solange Jesus bei uns ist, ist die Kirche im Dorf! Solange Jesus bei uns ist, in unseren Herzen, und solange wir bei ihm sind, sollten wir Freude haben, wenn das bei anderen, die den Glauben anders pflegen und leben, auch der Fall ist. In Jesus treffen wir uns alle. In Jesus und mit ihm können wir Freude haben an alten und bewährten Traditionen und auch an neuen Ideen, an all dem, was der Heilige Geist in einer lebendigen Kirche hervorruft. Wir könnten hier wahrhaft sagen: « Die Freude am HERRN ist eure Stärke » (Neh 8,10). Ja, die Freude am Herrn ist unsere gemeinsame Stärke. Wenn wir den Eindruck haben, dass uns der Bräutigam genommen wurde, das heisst, dass wir die Nähe Gottes, die Anwesenheit des Heilands nicht spüren, oder wenn wir das Gefühl haben, dass Gott sich nicht mehr um die Welt kümmert, dass er zulässt, dass unsere Kirchen sich leeren, bleibt die gemeinsame Sehnsucht nach ihm, das Ringen um seine Nähe, das, was uns weiterhin zusammenbringt und zusammenhält. Unsere Kirche und unsere Welt brauchen dringend – was unser Papst immer wieder zur Sprache bringt – dass wir die Einheit, den Frieden und die Geschwisterlichkeit pflegen. Es nützt nichts, Schuldige für die vorhandenen Schwierigkeiten zu suchen oder sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Unsere Kirche wird wieder aufblühen, wenn wir uns im Herrn zugeneigt, geschwisterlich begegnen, wenn wir all das Positive anerkennen und schätzen, das bei den anderen entsteht, wenn wir dies loben und uns darüber freuen. Im Herrn Geliebte, in diesem Sinn ist heute ein wunderbarer Tag, um dem Herrn zu sagen, dass wir neue Schläuche sein möchten, unverbraucht, ohne bitteren Geschmack, ohne resignierte Haltung, ohne Frustrationen, Enttäuschungen, Desinteresse, Ernüchterung, ohne die Last von schlechten Erfahrungen, ohne Rivalitäten und Ressentiments, ohne unnütze Vergleiche und ohne alte Spannungen. Die Gegenwart und die Zukunft unserer Diözese hängen auch davon ab, dass wir für alle, die den Glauben neu finden – für die Suchenden – frisch, attraktiv, geschwisterlich, froh, verständnisvoll, empathisch, einladend erscheinen und wirken. Unsere Pfarreien, Gemeinschaften, Dienststellen, Missionen, Familien, Häuser, Vereine sollten Wirklichkeiten sein, in denen die Freude am Herrn überwiegt, gespürt und erlebt werden kann. Es wäre nicht richtig, wenn ich es nun unterlassen würde, Ihnen/euch allen herzlich zu danken: Diese freudige, geschwisterliche Atmosphäre besteht meistens in allen Pfarreien und Realitäten der Diözese. Ihr seid ein guter Wein, der nach und nach noch besser wird. Gleichzeitig wollen wir alle kreativ, innovativ sein, damit viele Menschen die Freude und die Elastizität von neuen Schläuchen, von Neuverliebten entdecken können. Nochmals: es ist nicht ein Entweder/Oder zwischen verschiedenen Sorten von Jüngerinnen und Jüngern, zwischen alten und neuen Kleidern, zwischen verschiedenen Leitbildern, Programmen und Visionen, zwischen alten und neuen Schläuchen. Wir erfahren uns alle gegenseitig in Christus kostbar und bereichernd. Wir sind alle überzeugt, dass er uns im Grunde nie verlässt, dass wir im Tiefsten keinen Grund haben zu trauern, sondern einen guten Grund, das Leben als Fest zu verstehen. Das ermöglicht uns, Verständnis zu haben für jene, die diesen Sinn des Lebens noch nicht entdecken oder erleben konnten. Wir sind alle zu Maria, als gemeinsame Mutter gepilgert. Darf ich es so sagen? Die Mutter unseres Herrn findet alle Schläuche bezaubernd. Sie findet die alten Kleider besonders wertvoll und die neuen reizend. Sie schätzt die alten Traditionen und findet die neuen Ideen und Pläne wunderbar. Für sie waren die Schüler des Johannes auch Schüler ihres Sohnes und sie war äusserst dankbar, dass Johannes mit seinem Wirken den Weg gebahnt hat, damit Jesus Jüngerinnen und Jünger erhalten konnte. Für Maria sind alle kostbare Kinder, für Maria sind wir alle, geliebte Kinder. Wenn sie uns anschaut, sagt sie Jesus sofort – wie bei der Hochzeit in Kana – «sie haben keinen Wein». Ja, sie setzt sich ein, damit unsere Herzen von Wein triefen und so sehr überfliessen, dass die Freude am Herrn viele Menschen in unserer Umgebung erreicht. Amen Einsiedeln, 4. Juli 2026 Joseph Maria Bonnemain Bischof von Chur